Things I Love Thursday: People.

Wir wollten grade ins Bett gehen, als ich bei instagram etwas von Explosionen in Boston las. Jemand hatte ein Bild von Fernsehnachrichten gemacht und es hochgeladen.

Ungläubig versuchten wir Näheres herauszufinden, doch auf deutschen Nachrichtensendern wurde über Wahlkampf und den NSU-Prozess berichtet. Erst ein weiterer Blick ins Internet machte deutlich: Da ist wirklich etwas ganz, ganz Schlimmes passiert.
Kurz darauf fanden wir CNN in unserer Senderliste und es war klar: Das waren Bomben. Die perverse Bauart der Sprengsätze sollte erst später bekannt werden.

Die Bilder aus Boston waren erschreckend. Von einer Fernsehkamera aufgenommen mutet das Video von den Detonationen an wie aus einem Hollywood-Blockbuster.
Der erste Knall fällt mitten in den Jubel, mit dem die Familien und Freunde der Läufer die Sportler an der Ziellinie begrüßen. Die Bomben explodieren zwischen denen, die da sind um andere anzufeuern und zu unterstützen.

Ich bin erschüttert, als ich das, als mir das Ausmaß des Anschlags bewusst wird. Ich bin wütend und traurig und fassungslos.

Dann geht die Aufnahme weiter und man sieht, wie Menschen direkt auf den Ort der Explosion zu rennen. Wie sie, anstatt sich selbst in Sicherheit zu bringen, zielstrebig in die Gefahrenzone laufen, um den Menschen zu helfen. Völlig Fremden.

Kurz darauf lese ich bei twitter von Läufern, die von der Strecke direkt ins nächste Krankenhaus gerannt sind, um Blut zu spenden. Anwohner versorgen die Sportler und Zuschauer, die nicht in ihre Hotels zurück können, mit Wasser und Essen, geben ihr WLAN frei, öffnen ihnen ihre Türen und stellen Schlafplätze zur Verfügung. Völlig Fremden.

So sehr mich dieser hinterhältige und feige Anschlag auch erschüttert hat, die bedingungslose Hilfsbereitschaft, die sich an diesem Tag zeigte, erfüllt mich mit großer Zuversicht.
Einige wenige, vielleicht sogar nur ein einzelner, haben etwas unbegreiflich bösartiges geplant und getan. Und unzählige Menschen beweisen ohne groß nachzudenken Courage und Nächstenliebe.

Ich glaube zwar nicht daran, dass es sowas wie Weltfrieden jemals wirklich geben wird. Die Vorstellung, dass sich irgendwann alle Menschen lieb haben und glücklich und friedlich miteinander leben, finde ich nach wie vor furchtbar naiv.
Doch die Selbstlosigkeit, die sich im Angesicht des Terrors wieder mal gezeigt hat, ermutigt mich, selbst auf Menschen zuzugehen, zu helfen wo Hilfe nötig ist und die Menschen um mich herum wertzuschätzen.

Meine Things I Love sind in dieser Woche also überhaupt keine Dinge. Es sind all die Menschen, die hilfsbereit sind, ohne etwas dafür zu erwarten. Die sich den Nöten Fremder annehmen. Die anderen mit Liebe und Respekt begegnen.
Es sind all die Menschen, die mich im Angesicht von Terror und Bösartigkeit nicht verzweifeln lassen.

Die Ereignisse in Boston halten mich hoffentlich nicht nur in dieser Woche dazu an, meine eigenen Befindlichkeiten ein wenig zurückzustellen und meinen Mitmenschen mit mehr Toleranz und Verständnis zu begegnen. Offene Augen und Ohren zu haben für diejenigen, die Hilfe brauchen.
Ich werde niemals der alte Hippie sein, der allen und jedem um den Hals fällt. Und ich werde sicher auch in Zukunft meinen Mann ab und an mit den Worten „Ich hasse Menschen“ begrüßen, nachdem ich den Wocheneinkauf mal wieder zwischen ungezogenen Gören, rücksichtslosen Rentnern und all den Bummsköppen dazwischen absolviert habe.
Doch ich will tun was ich kann, um den Bösen mit den Bomben etwas entgegenzusetzen.

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