Mach dich WAS?! Eine weitere Wutrede gegen den Diät-Irrsinn.

Mach dich locker

Mach dich krass! Mach dich leicht!

Eigentlich wollte ich es hier zum Jahresanfang entspannt angehen. Ein bisschen Vorfreude mit euch teilen, ein neuer WWET-Beitrag, vielleicht mal wieder ein Newton Special. Jedenfalls hatte ich keinen Post über dies ganzen Diätschwachsinn auf’m Plan, habe ich mich doch erst im Dezember mal wieder darüber ausgelassen.

Uneigentlich habe ich alles, woran ich heute eigentlich arbeiten wollte, grade einfach stehen und liegen gelassen, um uns alle daran zu erinnern, dass dieser ganze „Neues Jahr – Neue Diät“-Müll schlichtweg riesiger Schwachsinn ist.

In den letzten Tagen kann man den Fernseher nicht anmachen, ohne Werbung für Diät- und Fitnessprogramme unter die Nase gerieben zu bekommen. Im Zeitschriftenregal sieht es selbstverständlich nicht anders aus. Hochzeitsmagazine mit Diätproduktbeilage? Scheinbar voll normal. (Lest euch Kats kurzen Wutausbruch mal durch, sie trifft den Nagel voll auf die Zwölf!)
Und im Internet? Reihen sich die extremen Diäten und überzogenen Fitnessprogramme aneinander und tanzen eine Polonaise durch unser angeschlagenes Selbstbewusstsein.

30 Day Shred! Hm, ja ich hab Weihnachten gefressen wie ein Schwein, ich verdiene es zerfetzt zu werden… Whole 30! Das ist ja keine Diät, das ist doch gesund und schön wird man davon auch noch… Kayla Itsines Bikini Body Guide! Oh, eine Bikinifigur, damit könnte ich endlich mal an den Strand… Mach dich leicht! Ich bin fett. Fett. Fett…. Mach dich krass! Boah, mit so einem Sixpack wäre ich echt endlich krass…

BULLSHIT!

Hinter all diesen Dingen stecken Leute, die viel Geld damit verdienen, dass wir uns unattraktiv und minderwertig fühlen. Wollen wir wirklich denen die Entscheidung überlassen, ab wieviel Kilogramm und sichtbaren Bauchmuskeln wir uns wohlfühlen dürfen? Wollen wir ihnen dabei helfen, weiterhin ein krankes und falsches Körperbild in unserer Gesellschaft zu fördern, nur damit sie es gewinnbringend ausbeuten können? Und wollen wir selbst wirklich einen Waschbrettbauch und dünne Schenkel – oder haben wir nur das Gefühl, es damit leichter zu haben im Leben? (Mega Wortspiel…)

Wie gesagt, eigentlich hatte ich gar nicht vor, heute meine Wut auf die ganzen Diät- und Fitnesspäpste raus zu lassen. Aber nach der Dauerkonfrontation der letzten Tage will ich einfach sagen:

Mach dich locker! Und noch viel wichtiger: MACH DICH NICHT BEKLOPPT!

Ja, wir alle haben über die Feiertage viel gegessen. Und uns eher wenig bewegt. Und vielleicht das eine oder andere Kilo zugelegt. Aber tat das nicht auch mal wieder so richtig gut?
Wenn wir jetzt im Januar in den Spiegel gucken und ein bisschen weicher sind als vor den knusprigen Plätzchen und der saftigen Weihnachtsgans, dann können wir natürlich verzweifeln, weil uns die Medien sagen, dass das ganz furchtbar ist. Oder wir können uns einfach entspannen. Hatten wir nicht ein paar richtig schöne, genussvolle Tage? Und ist das nicht etwas Gutes? Wieso sollte es schlimm sein, wenn wir unseren Körpern etwas Gutes ansehen können?

Nach ein, zwei Wochen, in denen wir uns ohne Reue der Maßlosigkeit und Faulheit hingegeben haben, kehren wir jetzt doch alle zu unserem „normalen“ Lebensstil zurück. Einem Lebensstil, der sich für uns gut anfühlt.

Wir essen, was uns schmeckt und uns mit dem versorgt, was unser Körper braucht. Was auch immer das für jeden einzelnen von uns sein mag. Wir bewegen uns, in der Form und Häufigkeit, die wir allein als richtig und wichtig erachten.

Unsere Körper sehen dann aus, wie menschliche Körper nunmal aussehen. Lang, kurz, groß, klein, dick, dünn, weich, hart. Und das ist vollkommen ok, denn wir sind einfach alle krass. Krass zufrieden mit dem, was wir für uns und unser Wohlbefinden tun.

Wenn ihr gerne 500 Sit-Ups vor dem Frühstück macht, zur Entspannung einen Marathon lauft oder am liebsten Möhrenschnitze mit Hüttenkäse knabbert – cool! Macht weiter so!
Wenn ihr euch aber freudlos durch harte Sportprogramme quält und vor einem „figurfreundlichen“ Salatteller hungert, dann hört jetzt auf mit dem Quatsch.

Euer Körper ist dann „optimal“ und „perfekt“, wenn ihr euch mit euch selbst wohlfühlt – nicht, wenn andere Leute es euch gestatten.
Und keine Diät, deren Ende man kaum abwarten kann, keine Fitness-Challenge, bei der man sich zum Durchhalten zwingen muss, ist etwas, womit man sich wohlfühlen kann.

So. Ich hab mich für’s erste fertig aufgeregt und mache hier jetzt mal mit dem weiter, was ich eigentlich heute erledigen wollte.
Ihr habt hoffentlich alle noch einen schönen Sonntag, bevor es morgen wohl für die meisten zurück an die Schippe geht. Lasst euch von diesem ganzen Diätwahn nicht bekloppt machen – ihr seid schon krass. Krass in Ordnung.

3 Gedanken zu „Mach dich WAS?! Eine weitere Wutrede gegen den Diät-Irrsinn.

  1. Nina

    Als jemand, der seit seiner Kindheit mit einem offensichtlichen, krankheitsbedingten körperlichen „Makel“ lebt (ich habe alles durch, schlimmes Mobbing etc., werde bis heute immer wieder angestarrt) fühle ich mich oder nein, eher sehe ich die Leute, die diese Werbung machen oder in meinem Umfeld derart reden in einer Parallelwelt… Und ich bin so froh, dass es „normalen“ Menschen, die wirklich so toll aussehen und eine solche Hammerausstrahlung haben, ebenso geht. Ich wollte das schon einmal bei dem früheren Beitrag schreiben… Schönheit kommt von innen, Persönlichkeit, Zufriedenheit, Lebendigkeit, Genuß. Und was sexy ist – da kommt bei der Werbung ja gar nix rüber. (Nicht, daß ich das wollte!).
    Mit zunehmendem Alter habe ich mich immer mehr akzeptiert, es gibt deswegen keine „tiefen Täler“ mehr, wer glotzt und mit meinem Aussehen ein Problem hat, das ist seins.
    Ich kann es gar nicht ändern. (In der Schweiz wurde vor Jahren ein ganz tolles Video zu dem Thema gedreht, da wurden Schaufensterpuppen nach realen Menschen mit Behinderung hergestellt und in einem Kaufhaus die Reaktionen der Passanten gefilmt. Mutmachend.)
    Danke für die Rede.
    Ganz liebe Grüße, Nina

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    1. Ellen Beitragsautor

      Nina, du hast so Recht! Wäre es nicht mal an der Zeit, uns selbst und unseren Kindern beizubringen, jeden Körper als etwas wunderbares zu betrachten, anstatt weiter ein Ideal zu glorifizieren, das uns alle als fehlerhaft brandmarkt?
      Es ist großartig, dass du dich trotz dieser widrigen Umstände akzeptierst, wie du bist. Ich wünsche dir, dass du nicht mehr nur keine tiefen Täler durchmachst, sondern dich immer und immer öfter auf einem Hoch wiederfindest und dich großartig fühlst.

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