Ich bin der Telefonmann.

Online-Diät

Ja. Schon wieder Helge Schneider. Was soll ich sagen? Als ich achtzehn war gab es für mich nur Helge. Und Joint Venture, beziehungsweise Götz Widmann. Mein kulturelles Niveau war schon immer einfach top.

…ich gehe immer dran. Ich bin immer parat am Telefonapparat. Und mit IMMER meine ich IMMER. Ich habe mein Handy so oft in der Hand, dass das Wischen und Tippen und Neuigkeiten checken schon zu einem Reflex geworden ist. Und wenn es nicht mein Handy ist, dann ist es ein Tablet. Oder mein Laptop. Allzeit bereit, immer auf Standby.

Einzig unser Schlafzimmer ist frei von Handys und dergleichen. Das war nichtmal eine bewusste Entscheidung, glaube ich. Wir haben einfach nie angefangen, unsere Smartphones mit ins Bett zu nehmen. Anstatt abends beim Serienschauen einzuschlafen, haben mein Mann und ich immer ein ganzes Arsenal an Büchern auf unseren Nachttischen liegen. Und ganz altmodisch sorgt bei uns noch ein Radiowecker dafür, dass wir morgens zeitig aus dem Bett kommen.

Doch jenseits der Schlafzimmertür ist es vorbei mit der Ruhe. Selbst auf der kürzesten Gassirunde mit Newton hab ich mein Telefon dabei. Und überprüfe zwischendurch regelmäßig, ob es etwas Neues gibt. Beim Kochen liefert das Tablet nicht nur die passende Musik, sondern auch alle News direkt an den Herd. Egal, was ich mache: Im Garten, beim Essen, in der Badewanne, beim Arbeiten, beim Fernsehen, im Auto. Ich bin online.

Vor ein paar Tagen habe ich noch aufgelistet, was ich alles lernen möchte (und diese Liste ist nichtmal annähernd vollständig). Und lasst mich nicht erst von all den Orten anfangen, die ich gerne noch sehen möchte! Von Plätzen hier vor der Haustür bis hin nach Übersee. Die Ideen, die ich endlich mal umsetzen will, stapeln sich langsam auch schon in den Ecken meines Hirns.
So viele Dinge, so wenig Zeit.
Denn meine Zeit verbringe ich eben nicht damit, etwas zu lernen, zu sehen oder zu machen. Ich verbringe sie damit, instagram zu checken, meine twitter Timeline zu durchforsten, Blogs zu lesen und überhaupt im Internet rumzudödeln. Lasst mich gar nicht erst von Pinterest anfangen…

Mal angenommen, ich würde aufhören, einen beachtlichen Teil meines Tages damit zu verbringen, mir anzuschauen, was andere alles so auf die Beine stellen. Und statt dessen in dieser Zeit selber was tolles veranstalten. Lernen. Etwas schaffen. Raus gehen. Nichte mehr die Bilder von anderen angucken, sondern selber welche machen. Nicht mehr stundenlang Blogs lesen, sondern selber mehr bloggen. Nicht mehr fremde Menschen bewundern und, lasst mich ehrlich sein, beneiden. Sondern selber etwas lernen und wirklich gut darin werden.

Vor einiger Zeit habe ich hier schon einmal darüber geschrieben, dass ich weniger Zeit online verbringen möchte. Meine guten Vorsätze von damals haben offenbar nicht besonders lange gehalten.
Allerhöchste Eisenbahn also, einen neuen Versuch zu starten. Diesmal vielleicht mit einem etwas radikaleren Ansatz: Aus die Maus. Kein Bloglovin mehr, keine instagram Entdeckungstouren mehr (die sich immer als endloses Kaninchenloch entpuppen, in dem ich für Stunden verschwinden kann). Schluss mit twitter als Frühstückslektüre und absolut kein Pinterest mehr. Byebye, Vlogs und Hauls und Tutorials!

Jetzt mag ich all diesen Internetkram aber viel zu gerne, um ihn sofort dauerhaft aus meinem Leben zu verbannen. Also fange ich mit einer Woche an. Bis zum nächsten Sonntag werde ich das Internet nur noch nutzen, um selber etwas zu teilen. (Und um zu kommunizieren, denn die SMS ist den facebook- und twitter-Nachrichten gewichen.)
Ob ich da viel verpassen werde? In Anbetracht der Menge an Informationen, die andauernd ins Internet gestellt werden liegt das ja irgendwie nah. Andererseits ist ja nur ein winziger Bruchteil davon wirklich relevant für mich.

Wenn ich am Ende der kommenden Woche vor einem riesigen Berg ungelesener Tweets und Blogposts stehe, wird mir hoffentlich klar, wie wenig davon wirklich wichtig ist für mich. Und wie viel davon weg kann.
Natürlich ist es wichtig, Netzwerke zu pflegen und Kontakt zu anderen Bloggern und Instagrammern zu halten. Aber ich kann ja nicht mit jedem da draussen einen gehaltvollen Austausch pflegen, so schön das auch wäre.

Statt meine Zeit online zu verplempern werde ich sie in dieser Woche offline nutzen. Zum Beispiel habe ich schon eine Verabredung mit Gen, von der ich das eine oder andere lernen möchte. Außerdem habe ich den einen oder anderen Ausflug geplant. Wer weiß, vielleicht finde ich dann sogar endlich die Zeit, die Fenster zu putzen und die Vorhänge zu waschen! Mit dem Joggen wollte ich schon längst wieder anfangen.

Mit letzterem lege ich jetzt gleich auch sofort los. Während ich gleich um die Häuser schlappe mögt ihr mir vielleicht verraten, wie das bei euch ist. Verbringt ihr viel Zeit online? Oder passiert das Internet für euch nur nebenbei? Habt ihr, wie ich, vielleicht auch das Gefühl, die Balance zwischen on- und offline verloren zu haben? Und wenn ja, was tut ihr dagegen? Oder habt ihr einen Trick, dass euch das gar nicht erst passiert? Immer raus damit!

11 Gedanken zu „Ich bin der Telefonmann.

  1. Lisa

    Man möchte es nicht zugeben, aber ja, ich verbringe tatsächlich viel zu viel Zeit auf Blogs, Facebook, Instagram, Pinterest oder eben beim Suchen und Finden irgendwelcher anderen Dinge in den Weiten des Internets. Wenn ich dann mal (so wie vor einiger Zeit, als ich wegen eines Praktikums kaum Zeit hatte, irgendwas zu checken) eine Zeit lang nichts von alledem verfolge, und bei Bloglovin über 200 Artikel habe, merke ich erstmal, wieviel davon eigentlich interessant ist. Seitdem bin ich auf Bloglovin auch weniger aktiv (bzw. lese nur die Artikel, die spannend klingen). Instagram ist allerdings immer noch ein bisschen zeitraubend – aber eben auch ein schöner Zeitvertreib.
    Ich bin sehr gespannt, wie dein Fazit ausfällt und klick mich demnächst dann auf jeden Fall wieder rüber – was muss, das muss 😀

    Antworten
  2. Sarah

    Ich kenne das nur zu gut.
    Ich träume schon seit Jahren von einem eigenen Blog – den ich auch schon hätte – würde ich nicht ständig nur davon träumen während ich auf anderen blogs rumsurfe. Irgendwie paradox 🙂
    Ich habe letztens meine facebook-app vom Handy gelöscht und mich im Browser ausgeloggt. Und war dann tatsächlich einen Monat lang zu faul mich richtig einzuloggen anstatt, wie sonst, einfach nur auf mein bookmark zu klicken. Facebook hat mir gar nicht gefehlt, wie eigentlich alles, was ich länger nicht nutze (pinterest, instagram etc.)
    Bei mir ist es einfach schon eine Gewohnheit vorm Einschlafen bei instagram zu surfen. Als ich letztens bewusst versucht habe das einzudämmen, hat es mich auch gar nicht mehr so interessiert.
    Ich bin gespannt, was Du nach einer Woche Konsumier-Abstinenz berichtest.

    Antworten
    1. Ellen Beitragsautor

      Ich bin auch schwer gespannt, wie das in den nächsten Tagen läuft. Bisher ganz gut 😀

      Ich hoffe, du erfüllst dir bald deinen Traum und fängst mit dem Bloggen an! Lass mich wissen, wenn es soweit ist.

      Antworten
  3. Schlotti

    Das steht ja auch noch auf meiner To-Do-Liste. Abschalten, im wahrsten Sinne des Wortes. So recht true ich mich noch nicht heran.
    Denn am schwersten wird es mir wohl bei Instagram fallen. Das permanente Gefühl, diese schönen Sachen zu verpassen. (Und die Langeweile, die so manche Vorlesung und Bahnfahrt für mich bereithalten wird, nicht zu vergessen)
    Oder Facebook, das ich inzwischen echt überhaupt nicht mehr mag, das aber zu einem Ersatz zu SMS geworden ist… Eigentlich alles Quatsch.
    Also, wann gehe ich es an?? Ich will nicht 😀

    Antworten
    1. Ellen Beitragsautor

      Ich merke grade, eigentlich will ich auch nicht, weshalb mein ganzes Vorhaben bereits jetzt für die Tonne ist. Gestern Abend erstmal ne Stunde zwischen instagram und pinterest verdudelt. Immerhin habe ich nach etwas bestimmtem gesucht und nicht einfach nur auf doof rumgesurft. Aber trotzdem. Ich glaube, ich muss mal für eine Woche in eine einsame Hütte ohne Internet. Dann könnte das noch was werden. 😀

      Antworten
  4. BuecherFaehe

    Hey 🙂
    Ein super Vorsatz, den ich auch mal beherzigen sollte. Dabei habe ich ja eigentlich schon eine gute Ausgangslage: ich habe kein Facebook (mehr), kein Instagram, surfe weder auf Pinterest noch sonst wo.
    Doch seitdem ich einen Blog habe, surfe ich quasi dauernd auf Blogs! Irgendwie finde ich doch immer irgendwas, das mich ans Internet fesselt – dabei will ich das gar nicht (oder doch?!).
    Und dann gibt es auch noch das Smartphone, das ich auch öfter in die Hand nehme, als ich eigentlich muss.
    Dafür ist dann im Urlaub immer Ruhe, die ich auch genieße. Da ist nämlich für mich Smartphone- und Internetfreie Zone!

    Auch wenn deine Woche schon um ist, wünsche ich dir trotzdem für mögliche weitere Vorhaben viel Erfolg!

    Antworten
    1. Ellen Beitragsautor

      Danke dir! Es ist echt wie verhext. Da verzichtet man auf instagram und dergleichen und, schwupps, schleicht sich was Neues ein. 😀

      Antworten
  5. Kindderachtziger

    Auch wenn ich seit ein paar Monaten auch blogge verbringe ich zumindest im Vergleich zu dem von dir und den Kommentatoren geschilderten recht wenig Zeit im Internet. Pinterest und Instagram habe ich nicht, Facebook nutze ich nur, wenn einer der wenigen Freunde, die ich noch abonniert habe etwas postet, dass mich interessiert oder ich mal im Wartezimmer etc. etwas Beschäftigung brauche. Blogs lese ich auch nur ausgewählte und dann auch nur Artikel, die mich wirklich interessieren. Auch wenn ich mein Smartphone immer bei mir habe, wenn ich unterwegs bin surfe ich nur bei Bedarf, eher verbringe ich Zeit mit dem ein oder anderen Spielchen. Letzteres ist auch der Grund (und der Wecker), dass mein Handy auch ins Schlafzimmer darf. Mir ist es wichtiger Familie und Freunde soweit möglich persönlich zu treffen, mit dem Liebsten zu couchen zum Serien gucken oder mich zu bewegen, um dabei was Neues zu sehen. Drücke dir die Daumen, dass du deinen Internetkonsum reduzieren kannst und dir dieser neue Weg gefällt.

    Viele Grüße, Silke

    Antworten
  6. Yvonne

    Ich kenne das. Da guckt man auf sein Handy um die Uhrzeit zu sehen und dann schon gut man nochmal hier und da. Packt das Handy weg und weiss die Uhrzeit nicht mal!

    Ich habe angefangen nicht einfach wild im und ständig hier und da zu gucken zu kommentieren und zu surfen.
    Sondern schon strategischer. Auch wenn das ein blödes Wort ist. Ich nehme mir Zeiten wo ich nur eins mache. Jetzt zum Beispiel. Ich lese meinen Reader durch. 1-2 Mal pro Woche und dann lese ich den auch komplet durch.
    Instagram eben auch dann einmal duch..als immer mal wieder.

    Und es tut auch gut, das Handy umzudrehen um nicht zu sehen, wenn es aufleuchtet weil was kam 🙂

    Yvonne

    Antworten
    1. Ellen Beitragsautor

      Gezielter zu surfen, das nehme ich mir ständig vor. Und bleibe dann doch wieder auf instagram oder bloglovin hängen…

      Dafür habe ich erfolgreich alle Benachrichtigungen am Handy abgeschaltet. Da werde ich, ganz oldschool, nur über Anrufe und Textnachrichten informiert. 😀

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.