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Die Füße im Sand…

Mit Junior auf dem Spielplatz

Immer wieder lese und höre ich, dass Eltern Besuche auf dem Spielplatz doof finden. Und was die allermeisten Spielplätze angeht, kann ich das voll verstehen. Zum Glück haben wir direkt bei uns um die Ecke einen guten Spielplatz, der so gar nicht doof ist. Zumindest nicht für kleine Kinder und müde Eltern.

Junior auf dem Spielplatz

Für ältere Kinder ist der sicher grottenlangweilig. Aber wenn man erst zwei ist, dann reicht eine Hand voll Spielgeräte, eine Portion Sand und etwas Platz zum rennen vollkommen aus, um sich über Stunden zu beschäftigen. Wirklich. STUNDEN.
Und ich kann es da auch lange aushalten. Mit einem kleinen Picknick und einem großen Kaffee. Oder auf der Schaukel. So ganz langsam kommen wir sogar an den Punkt, an dem ich es mit einem Buch versuchen könnte.

Auf der Rutsche

Unser Spielplatz liegt hinter einer Reihe Einfamilienhäuser, zwischen ruhigen Gärten und einem Weizenfeld. Rundherum stehen Bäume, es gibt nur zwei Wege hinein und man hat jederzeit alles im Blick.
Und weil unser Spielplatz so versteckt liegt, für große Kinder super lahm ist und wir in einem eher abgelegen Ortsteil wohnen, haben wir ihn oft ganz für uns allein. Selbst wenn dort mal viel los ist, ist es noch immer ruhig, verglichen mit dem Spielplatz im Park, auf dem am Wochenende weder Junior noch ich Spaß haben, weil es uns einfach zu laut und zu voll ist.

Spielen im Sand

Nein, unser Spielplatz ist toll. So toll, dass ich wirklich gerne hingehe. Und ich hoffe, dass das Kind auch noch ganz lange gerne hingeht, bevor es ihm irgendwann zu langweilig wird, stundenlang mit einem Stock im Sand zu spielen.

Ein Spaziergang. // San Francisco.

Vom Großstadtgewimmel durch ein bisschen Italien über den Hügel bis an den Strand. In San Francisco kann man alles in einem einzigen Spaziergang erleben.

San Francisco zu Fuss

Den Kaffee für unterwegs lässt man sich vom freundlichen Roboter im Cafe X im Financial District ausschenken. Zwischen den sehr fitten, sehr beschäftigten, sehr gut verdienenden jungen Leuten durch geht es zur Transamerica Pyramid und dann die Columbus Avenue hoch. Die Hochhäuser werden bald von den bunten Fassaden abgelöst, für die San Francisco berühmt ist.
Die Straße führt einen direkt durch Little Italy, vorbei am legendären City Lights Bookshop und Restaurants mit fabelhaften Namen wie The Stinking Rose. Wer die Muße hat, der kann sich wunderbar in einem davon niederlassen und das Treiben auf der Straße beobachten. Wem es aber in den Füßen juckt, immer weiter zu laufen, der macht nur einen kurzen Zwischenstop bei Molinari Delicatessen, um sich mit einem Sandwich für ein Picknick am Strand einzudecken.

Lunch von Molinari

Das Pastrami Sandwich kann einiges! Dazu noch ein paar Oliven und andere Antipasti einpacken und weiter geht es, die Straße runter bis man hinter’m Fisherman’s Wharf raus kommt. An der Jefferson Street findet man den nächsten Kaffee oder ein Ben & Jerry’s, jeweils „to go“, denn der Aquatic Park direkt neben dem Hyde Street Pier ist der perfekte Platz für eine erste kleine Pause. Mit den Füßen im Sand kann man dort den Schwimmern in der Aquatic Cove zuschauen, die vom Dolphin Swim & Boat Club aus in’s Wasser gehen.

Das Meer zur Rechten geht es weiter, ein kleines aber gemeines Stück bergauf, am Aquatic Pier vorbei, bis sich vor einem der Great Meadow Park am Fort Mason eröffnet und man durch die Bäume einen tollen Blick auf die Golden Gate Bridge hat. Im Park geht es entspannt den Hügel wieder runter, natürlich nicht ohne die vielen Hunde zu bewundern, die durch die Anlage tollen.
Wer noch Wasser oder Snacks braucht, der lässt Fort Mason am Ende des Parks rechts liegen und überquert die Straße Richtung Safeway, ansonsten bleibt man am besten direkt auf dem San Francisco Bay Trail, der einen direkt am Yacht Hafen vorbei führt. Alternativ kann man auch auf dem breiten Gehweg am Marina Boulevard bleiben und davon träumen, in einem der Häuser mit Meerblick zu wohnen.

Am Ende des Yacht Hafens geht es rechts am Yacht Club etwas versteckt auf einen Pier, auf dem man den Marina District Leuchtturm findet und an dessen Ende eine Wellen Orgel sehr seltsame Musik macht.
Geht man jedoch weiter Richtung Golden Gate Bridge, passiert man zunächst einen kleinen Park mit Toiletten-Häuschen und Picknick-Ecke. Letztere ignoriert man aber, denn bis zum Ziel ist es jetzt nicht mehr weit. Ganz nah am Meer entlang wird der Weg langsam sandiger…

Crissy Field Beach San Francisco

…bis sich vor einem Crissy Field Beach erstreckt. Mit einem herrlichen Blick auf die Golden Gate Bridge und das gegenüberliegende Ufer.
Zeit, die Schuhe auszuziehen, die Füße im Pazifik abzukühlen und die mitgebrachten Snacks auszupacken. So kann man gut den Rest des Tages verbringen, oder?
Alternativ kann man auch den Bay Trail bis zum Torpedo Wharf weiterlaufen und im Anschluss die Golden Gate Bridge überqueren. Zurück geht es am bequemsten per Uber. Oder eben zu Fuß, wenn die Füße noch können.

If you’re going to San Francisco…

Golden Gate Bridge San Francisco

…be sure to wear bequeme Schuhe. Auch, wenn man dort wirklich jederzeit und überall ganz schnell eine Fahrt per Uber ordern kann, lassen sich die einzelnen Stadtgebiete ganz prima erlaufen. Da kommen schnell mal einige Kilometer zusammen. Meistens Bergauf.

San Francisco

Wobei auch schon die Strecke vom Ferry Building zum Fisherman’s Wharf toll zu laufen ist, ganz eben, immer am Wasser lang, das Meer zur Rechten und links die Hügel von San Francisco.
Von beiden Sehenswürdigkeiten habe ich im Vorfeld gelesen, dass es reine Touristenfallen seien und man sich einen Besuch schenken könne. Bin ich froh, mal wieder nicht drauf gehört zu haben!

Ferry Building San Francisco

Im Ferry Building gibt es nicht nur nette kleine Shops, verdammt leckeres Eis und tolle Restaurants (Hog Island Oyster Co. soll fantastisch – nächstes Mal will ich das auf jeden Fall überprüfen).
Wer sich drinnen an einem der Imbissstände seinen Lunch holt, kann sich zum Essen draußen auf eine der vielen Bänke in die Sonne setzen und den Trubel des laufenden Fährbetriebs beobachten. (Wer sich auf die Bänke links neben dem Gebäude setzt, der kann dabei sogar ganz prima das WLAN einer bekannten Coffee Shop Kette nutzen.)
Dass es im Ferry Building kostenlose, saubere Toiletten und Wickelräume gibt, war auch alles andere als verkehrt. Die haben wir allerdings so gut wie überall in der Stadt problemlos finden können, trotz Streik der öffentlichen Einrichtungen. Das kannte ich vorher aus Europa ganz anders, wo man für dreckige Klos in der Regel ja ordentlich Eintritt zahlen darf.

Fishermans Wharf

Der Pier 39 am Fisherman’s Wharf ist tatsächlich ziemlich touristisch, hat uns aber trotzdem Spaß gemacht. Mein Mann hat direkt mehrmals den NFL-Shop besucht, Junior war hin und weg von den Seelöwen und mir hat der tolle Blick auf Alcatraz gefallen. Dass es dort jede Menge zu Essen gibt, hat auch nicht geschadet.
Wenn das Kind mal größer ist, dann will ich auf jeden Fall nochmal in’s Musée Mécanique am Pier 45. Das ist eine Lagerhalle voll alter Spiel- und Unterhaltungsautomaten, es ist laut, durcheinander und ziemlich fabelhaft. Nur vielleicht nicht unbedingt für Kleinkinder. (Der Eintritt ist übrigens frei und ganz hinten durch steht ein grandioser Indiana Jones Flipper Automat.)

Amoeba Music

Was ich mir beim nächsten Mal lieber schenke? Haight-Ashbury. Es war auf jeden Fall nett, es einmal gesehen zu haben, aber umgehauen hat es mich überhaupt nicht.

Outer Sunset

Ganz im Gegensatz zu Outer Sunset und Ocean Beach. Am besten fängt man den Tag mit Kaffee und Cream Cheese Bagels (die mehr aus Frischkäse als aus Bagel bestehen) vom Java Beach Café an. Auch, wenn es nicht der weltbeste Kaffee ist und man in einer recht chaotischen Schlange anstehen muss. Denn dieses Frühstück nimmt man dann einfach mit, einmal auf die andere Straßenseite…

Ocean Beach

…direkt zum Ocean Beach, wo man Surfer und jede Menge glückliche Hunde beobachten kann, Sanddollars findet und der Pazifik einem die Füße küsst.
Ich hätte am liebsten den ganzen Tag dort verbracht. Und den Tag danach. Und den Tag danach. Und…
Das gleiche galt aber für so gut wie jeden Ort, den ich in San Francisco besucht habe. An dieser Stelle im Text habe ich ursprünglich mit der Beschreibung eines Spaziergangs begonnen, der einen an einer ganze Reihe meiner Lieblingsplätze vorbei führt. Dann habe ich beschlossen, dass dieser Spaziergang einen ganz eigenen Text verdient und den soll er auch bekommen, sofort nachdem ich mit diesem hier fertig bin. Kleiner Spoiler: Er endet an einem weiteren, wunderbaren Strand – Crissy Field.

Einen ordentlichen Kontrast zu Meeresbrise um die Nase und Sand zwischen den Zehen findet man entlang der Market Street, die durch den Financial District verläuft. Zwischen den Hochhäusern und den betriebsamen Straßen kann man nicht mehr vergessen, dass man sich in einer amerikanischen Großstadt befindet. Der Strand fühlt sich plötzlich weit weg an. Dafür gibt es hier Coffee Shops wie Sand am Meer und wer der Flut der Mittagspäusler folgt, der findet problemlos die aktuell besten Lunch Spots.

Wer bei den üblichen Verdächtigen wir GAP, Anthropologie und Madewell shoppen möchte, der wird am und im Westfield Center auf der Market Street fündig. Kleine, besondere Läden sucht man hier allerdings vergeblich. Dafür liegt direkt um die Ecke Mel’s Drive In, ein American Diner, das alle Klischees erfüllt und obendrein echt leckeres Essen serviert.

Apropos Essen: Ich habe mir im Vorfeld eine laaaaaaaange Liste mit den angeblich leckersten Geheimtipps der Stadt zusammen gestellt. Vor Ort waren wir von der Auswahl dann erstmal ganz schön überfodert. Obendrein war es für uns mit Junior auch deutlich entspannter, familienfreundliche Ketten aufzusuchen, statt Food Trucks zu jagen oder uns mit Kinderwagen in hippe „Hole in the Wall“ Restaurants zu quetschen. So hätten wir auch bei Boudin unten im Imbiss bleiben sollen, anstatt ein übermüdetes Kleinkind mit nach oben in das vergleichsweise schicke Restaurant zu schleppen. Der Ausblick war toll, das Essen war ok, das Ambiente definitiv nicht das richtige für unsere Chaos Truppe. Einen ähnlich tollen Blick auf Fisherman’s Wharf hatten wir einen Abend später bei einem sehr entspannten Essen bei Applebee’s – nix zum angeben, aber das Kind konnte mit Wachsmalstiften randalieren und hat sich sehr über eine Portion Pommes und Brokkoli gefreut.
Das für uns beste amerikanische Frühstück haben wir im Pinecrest Diner gefunden. Wir waren direkt zwei Morgende hintereinander da und während ich grade so darüber nachdenke, bekomme ich wieder ordentlich Appetit auf French Toast mit Erdbeeren und Sirup. (Das Diner hat übrigens 24 Stunden am Tag geöffnet und wäre somit auch eine super Anlaufstelle für Jet Lag Geplagte, die mitten in der Nacht plötzlich Hunger auf Omelett haben…)

Unser Hotel lag im Viertel Lower Cob Hill, nicht weit vom Union Square und dem Eingang zu China Town (was mich übrigens null beeindruckt hat, Little Italy hingegen umso mehr). War es ein Highlight, am Ende eines aufregenden Tages den Kinderwagen wieder den ganzen Berg hochschieben zu müssen (so „low“ war das nämlich gar nicht)? Nicht unbedingt.
Aber dafür hatten wir sowohl Coffeeshops als auch Supermärkte nur ein paar Ecken weiter, was nicht zuletzt dann sehr sinnvoll ist, wenn plötzlich die Windeln alle sind. Oder man morgens um vier verzweifelt vernünftigen Kaffee sucht.

Wenn ich könnte, ich würde sofort wieder hin fliegen. Mir dort so ein fröhlich buntes Häuschen suchen. Und jeden Tag an den Strand gehen. (Leider weiß ich auch, was so hübsche – oder auch hässliche – Häuschen in San Francisco kosten. Da ist der Traum dann auch ganz schnell wieder vorbei…)
Für den nächsten Besuch jedenfalls habe ich noch ganz, ganz viel auf meiner Liste:

+ Zum Whale Watching rausfahren.
+ Alcatraz besuchen.
+ Den Mission District besuchen.
+ Im Cliff House essen gehen und die Ruinen von Sutro Baths besuchen.
+ In den Muir Woods wandern gehen.
+ Über die Golden Gate Bridge fahren.
+ Diverse Museen besuchen (wir hatten einfach zu gutes Wetter, als dass ich viel Zeit hätte drinnen verbringen wollen).
+ Den Dogpatch erkunden.
+ Austern essen.
+ Mehr Mexikanisch essen.

Wir haben wirklich ganz, ganz viel nicht gesehen, nicht besucht, nicht erlebt. Und trotzdem war es keine Minute lang langweilig. San Francisco macht es einem wirklich leicht, eine tolle Zeit zu haben. Solange man die richtigen Schuhe trägt.