WWET // Das Gute liegt so nah.

Kommentare 14

WWET – Was würde Ellen tragen?

langeweile6

Letzte Woche habe ich mit meiner Mama einen kleinen Schaufensterbummel durch Köln gemacht. Naja, bei den Schaufenstern ist es nicht geblieben, wir sind natürlich auch hier und dort mal rein gegangen. Und was soll ich sagen? Es gibt schon viele schöne Dinge, die man kaufen kann. Kuschelige Pullover, tolle Kleider, wunderbare Schals und Kleinkram und Tinnef noch und nöcher.

Jetzt ist es grade aber mal wieder so, dass ich auf ein paar größere Dinge spare und deshalb eigentlich kein Geld für Pullöverchen und Krimskrams übrig habe. Während ich so vor all den schönen Sachen in den Läden stand fand ich das ganz schön doof.
„Ach, dann muss ich halt eben ein bisschen länger sparen, wenn ich jetzt diesen Pullover…“
Ich bin standhaft geblieben und habe bis auf eine Trost-Duftkerze (Lakritze, die riecht nach Lakritze! Fantastisch!) nichts gekauft. Dazu wanderten noch zwei Muji-Kerzen und ein paar Geschirrtücher von Mama in meine Tüte und einen Milchkaffe später saß ich auch schon wieder im Zug nach hause, wo ich auf Instagram die schönen neuen Sachen anderer Leute bewundern konnte.

Langeweile1

Ich hatte einen wunderschönen Tag mit meiner Mama. Und doch versucht das kleine „Haben! Haben! Haben!“-Männchen in meinem Kopf, meine Zufriedenheit über den Haufen zu brüllen.
So ein Strickpulli wäre wirklich genau das richtige, wenn ich bei diesem Schmuddelwetter mit dem Hund raus muss. Und an diesen schwarzen Bikerboots war ich doch schon letztes Jahr dran. Bei h&m Home gibt es grade einen superflauschigen Kissenbezug, das Halloween-Duschgel von Lush duftet wirklich herrlich und irgendwie habe ich plötzlich das Gefühl, noch eine Übergangsjacke zu brauchen. Und zwei bis fünf Paar Jeans.

Zuhause angekommen war ich längst dem überwältigenden Gefühl erlegen, mit einem Schrank voll Nichts-Anzuziehen in einem Haus zu leben, dem es entschieden an flauschigen Sofakissen fehlt. Wirklich, die Abwesenheit des Flauschs war mit Händen greifbar!

Langeweile3

In meinem Kopf ein Karussell aus all den Dingen, die ich dringend zu brauchen glaubte, um weiterhin ein erfülltes Leben führen zu können, stellte ich mich vor meinen Kleiderschrank, bereit seinem unzureichenden Inhalt meine vorwurfsvollsten Frustgrimassen vorzuführen. Ich sah mich selbst schon theatralisch T-Shirts durch’s Zimmer schleudern, Haare raufend der Welt dem Hund, als einzigem halbwegs interessierten Zuschauer, die Last dieser Ungerechtigkeit klagen.

Ich öffnete also, mit beleidigt vorgeschobener Unterlippe, meinen Schrank und mein Blick fiel auf den weißen Pullover mit roter Stickerei, den ich erst letzten Monat gekauft hatte. Daneben das Ringelshirt mit großem Rückenausschnitt, das ich unbedingt haben musst. Schlaghosen, die mich vor Vorfreude auf ihre Lieferung haben durchdrehen lassen. Mein graues Lieblings Shirt, das einfach immer geht.

Und während ich da so stand, mittlerweile mehr beschämt über mich selbst als über den vermeintlichen Mangelzustand meines Lebens, trafen mich fast zeitgleich mehrere Erkenntnisse.

langeweile2

Erstens: Es wird immer, zu jeder Zeit, irgendetwas zu kaufen geben, das mir so gut gefällt, dass ich es besitzen zu müssen glaube.
Zweitens: Von den Dingen, die ich besitzen zu müssen glaube, vergesse ich die allermeisten innerhalb kürzester Zeit wieder.
Drittens: Wenn ich dem Drang, etwas besitzen zu müssen, nachgebe und dieses Etwas kaufe, bewahrt es mich wider Erwarten nicht davor, meine neuen Besitztümer bald darauf wieder für unzulänglich zu erachten.
Die vierte und wichtigste Erkenntnis: Mein Schrank ist voll mit heissem Scheiss. Das Gute liegt mal wieder direkt vor meiner Nase, ich war nur zu blind, es zu sehen.

langeweile7

Die Bilder zu diesem Post entstanden schon vor zwei, drei Wochen, als ich im Büro drauf warten musste, dass mein Mann mit seinem Kram fertig wurde. Darauf zu sehen (neben den üblichen Clownerein von yours truly) sind einige Mitglieder meines „Musste ich unbedingt haben, jetzt liegt es halt im Schrank und ich will was neues“-Kabinetts.
Eine kleine, schwarze Lederjacke. Die Mütze in Kaugummirosa. Eine schwarze Schlaghose. Und meine dunkelblauen Cowboyboots.

Anstatt noch weiter den Dingen hinterher zu trauern, die ich letzte Woche nicht gekauft habe, habe ich mir vorgenommen, in den nächsten Tagen einmal eine kleine Shoppingtour durch mein Zuhause zu unternehmen. Mich noch einmal ganz bewusst über all die schönen Dinge freuen, die hier mittlerweile in ihrer Selbstverständlichkeit unsichtbar für den kleinen „Haben!“-Mann im Kopf geworden sind.
Es gibt viele schöne Sachen, die man kaufen kann, aber viele von den Sachen, die ich besitze, waren einmal genauso verlockend und sind noch immer ganz wunderbar.

Habt ihr auch so Dinge, die ihr mal unbedingt haben musstet und die mittlerweile einfach ganz selbstverständlich sind? Wie wehrt ihr euch gegen den krakeelenden kleinen „Haben! Haben! Haben!“-Mann? Oder kennt ihr den einfach gar nicht?

Kommentare 14

  1. Hallo Ellen,

    oh ja das kenne ich. Jeder neue H&M Werbeprospekt in meinem Briefkasten löst dieses „haben, haben!“ schon in mir aus. Dann gibt es da diese Ladenhüter im eigenem Schrank, die nie angezogen werden. Und hin und wieder gibt es Ladenhüter, die nach einem Jahr totaler Missachtung oder „passt ja zu nix“ auf einmal zum Lieblingsteil werden und auf alles passen. Manchmal werden Ladenhüter aber auch zu einem „was hab ich mir dabei nur gedacht“.
    Ich finde die Idee mal im eigenem Schrank shoppen zu gehen daher ziemlich genial. Probiere ich demnächst mal aus.

  2. Ich bestell oder kaufe mir meist die „Dinge, die ich unbedingt haben muss“. Und wenn ich sie mir dann zu Hause nochmal genauer betrachte denk ich mir oft „Nee, dich brauch ich doch nicht“ und dann tausch ichs wieder um oder schicks zurück. Ist blöd für die Händler, bei denen ichs gekauft habe und umständlich für mich, aber so kann ich meine Haben-Haben-Haben-Yeeper austricksen.
    Ich arbeite aber noch an meiner Willenskraft die mich unnütze Dinge gar nicht erst kaufen lässt. Denn seien wir mal ehrlich, was von den Dingen, die ich kaufe BRAUCHE ich schon. Obwohl, wenn ich da so an die Lakritzkerze denke…wo hast Du die her? 🙂

    • Im Zurückschicken bin ich mittlerweile auch ganz groß, aber meistens waren die Sachen qualitativ auch einfach schlechter, als es im Onlineshop den Anschein hatte.
      Die Kerze ist wirklich wunderbar. Die gibt es bei h&m Home 😉

  3. Wer kennt das „Haben, haben!“-Männchen nicht? Ich habe mir mit der Zeit die Willenskraft antrainiert, keine ungeplanten Spontankäufe mehr zu machen, sondern je nach Preis 1-2 Tage oder auch länger zu warten, bis ich eine Entscheidung darüber getroffen habe, ob ich das jetzt UNBEDINGT haben muss. Auf meinem Laptop führe ich eine Wunschliste, auf die solche Teile kommen – das hilft, um den Überblick zu behalten und Wünsche zu priorisieren. Im Real-Life-Shopping hat die Strategie, das Objekt der Begierde erstmal nur zu reservieren, auch den Vorteil, dass man den Laden dann nochmal aufsuchen muss – eine zusätzliche Hürde, die dafür sorgt, dass man keine Sachen kauft, die man auf den zweiten Blick eher nur so lauwarm findet. Funktioniert natürlich nicht immer (für Urlaubskäufe + Flohmarkt ist es z.B. nicht unbedingt geeignet) und erfordert ein höheres Maß an Selbstkontrolle , aber dadurch habe ich kaum bis gar keine Schrankleichen. Und Vorfreude ist doch die schönste Freude. 😉

    • Wow, du bist ja richtig diszipliniert! Das bewundere ich aufrichtig 🙂
      So eine Liste habe ich auch, das funktioniert tatsächlich ganz gut. Und in den letzten ein, zwei Jahren hat die Frequenz meiner Fehlkäufe deutlich abgenommen. Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder daran, dass ich mich heute ehrlicher mit mir und dem, was zu mir passt, auseinander setze, jedenfalls konnte ich meine Schrankleichen auch ziemlich erfolgreich ausrotten.

  4. Liebe Ellen,
    bei mir dreht sich auch ständig das Haben-Wollen-Karussel im Kopf und dann denke ich darüber nach, warum ich meine, dass ich erst glücklich bin, wen ich das haben kann? Wie traurig ist das denn? Außerdem bin ich ja gar nicht glücklich sondern hab meistens noch ein schlechtes Gewissen und kann mich nicht mal freuen. Das viele Nachdenken heißt jetzt nicht, dass ich eine Antwort gefunden habe. Aber letztens hab ich irgendwas gelesen oder gesehen, in der Art „der Drang findet immer einen Weg am Hirn vorbei“ z.b. weil ich jetzt denke, dass es ganz normal ist, dass ich jetzt keine „passenden“ Winterklamotten habe, hat ja gerade erst angefangen und das Wetter ist doch schon fast ein Jahr her, und wenn ich NUR das kaufe, dann reicht das. Arrghhhh. Aber ich schaue auch einfach gerne schöne Dinge an. Macht mich glücklich. Heute hab ich eine Schere gesehen: https://www.instagram.com/p/-MUobLM7Z4/?taken-by=anthropologie. Kann man unglücklich sein, wenn man diese Schere besitzt?
    Was da jetzt die Lösung ist, keine Ahnung. Was ich mir aber vornehme, ist, nicht mehr so viel auf Blogs rumzugeistern und mir die vielen tollen Dinge der anderen anzuschauen, sondern mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen und den Konsum vergessen…. ich weiß ja eigentlich, dass ich im Urlaub mit nur einem Outfit eine ganze Woche glücklich war.
    Liebe Grüße
    Iris
    PS: Zurückschicken tu ich auch fleissig. Hat jemand ne Ahnung, ob da auch schwarze Listen geführt werden und wir irgendwann nicht mehr bestellen dürfen? 😉

    • Das mit dem schlechten Gewissen kenne ich auch ganz gut, voll bekloppt.

      Die Schere ist ja mal wunderschön! Da höre ich schon wieder das „Haben!“-Männchen rufen…

  5. Du sagst es. Ich habe diesen kleinen Kaufrauschtypen auch immer wieder in meinem Ohr.
    In dem Moment nehme ich mir dann den Rat einer Freundin zu Herzen: „Wenn du in 24h immer daran denkst, kaufe es.“ Oder überleg nochmal genau ob du es wirklich haben musst.

    Ich versuche mich nicht mehr von diesem Kaufrauschgefühl übermannen zu lassen.
    Meistens geht es mir besser, wenn ich ohne Tüte aus dem Laden gehe.

    Und sollte ich wirklich mal richtig heiß auf etwas sein, dann merkt das mein Gefühl schon und steckt es ein.

    Liebste Grüße

    • Stimmt, in letzter Zeit bin ich auch öfter glücklich aus Läden gekommen, weil ich stolz etwas nicht gekauft zu haben, was zwar hübsch war, aber mich nicht vollkommen umgehauen hat.

  6. Ohja, das kennt man. Ich gebe mir auch meistens nochmal 1-2 Tage Zeit und dann geht es wieder.

    Aber.. wo hast du denn die Lederjacke her? ^^

    • Das mit der Wartezeit, das mache ich für alle größeren, teureren Käufe so. Bei einigen Dingen habe ich vorher sogar viele Monate überlegt. Viel schlimmer sind für mich diese Spontankäufe. Hier ein Pullöverchen, da ein T-Shirt… Das gute bei den Sachen ist, wenn ich die nicht kaufe, dann habe ich die spätestens am nächsten Morgen vergessen.

      Die Jacke ist von Zara, ähnliche Modelle gibt es bei denen eigentlich immer.

    • Oh man, es tut so gut zu hören, dass man nicht alleine ist! 😀
      Das Duschegel heisst Lord of Misrule und soll laut Beschreibung nach schwarzem Pfeffer, Patchouli und Vanille riechen. Ich habe bei Lush in Köln mal meine Nase reingesteckt und es duftet wirklich herrlich. Aber die Vernunft hat gesiegt, ich habe noch genug Duschgelreserven im Schrank stehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.