Warum Sport kein Mord ist und wie ich vom Sofagemüse zu Sporty Spice mutierte.

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Tja, das Tattoo stammt noch aus Zeiten, in denen ich ausschließlich mit geistiger Stärke punkten konnte. Was ja nicht verkehrt ist, aber…

Hätte man mich vor zwei, drei Jahren gefragt, ich hätte mich selbst wohl nie als sportlich bezeichnet. Für Leute, die mir von ihrem Training vorgeschwärmt haben, hatte ich im besten Fall ein müdes Lächeln übrig.
Klar, ich war zeitweise im Fitnessstudio angemeldet (und etwa drei mal da…) und habe mich ab und an zu einer Joggingrunde im Park aufraffen können. Allerdings war meine Motivation dabei eher „abnehmen“ als „fit werden“ und so wie mir so ziemlich alles besser schmeckt, als dünn zu sein, war mir auch so ziemlich alles lieber, als mich für mein Aussehen zu quälen.

Früher, als Kind und in meiner Jugend, habe ich tatsächlich ziemlich viel Sport gemacht. Schwimmen, Tanzen und Badminton. Darin war ich ganz ok (Badminton) bis echt gut (Tanzen – auch wenn mein Mann mich heute für den größten Körperklaus aller Zeiten hält). Aber alles, wofür ich mich echt anstrengen musste? Wenn es um reine Kraft ging? Oder um Schnelligkeit? Da war ich raus. Leichtathletik war im Schulsport regelmäßig mein Untergang.
Und weil schnell laufen und hoch springen können als Zeichen von Sportlichkeit galt, Tanzen hingegen oft als albern abgetan wurde, war ich der felsenfesten Überzeugung, schlicht unsportlich zu sein.

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Irgendwann habe ich mit Yoga angefangen. Den ganzen Tag wie ein Schrimp vor dem Computer zu sitzen hat meinen Rücken ganz schön in Mitleidenschaft gezogen und ich hätte alles getan, um ihn wieder in Ordnung zu bringen. Und bis heute ist das für mich ein verdammt starker Motivator, mich regelmäßig zu bewegen: Dass mein Körper gesund ist.

Mittlerweile mache ich beinahe täglich ein Video von Yoga with Adriene. Und wenn ich mal zu lange aussetze, meldet sich mein Mister Burns mäßiger Rücken ganz schnell zurück. Dann rolle ich meine Matte schneller aus, als ihr „Namaste“ sagen könnt.

Wenn man regelmäßig Yoga macht, wird man nicht nur ganz schön beweglich, sondern kriegt auch ein bisschen Muckis. Das fand ich cool. Plötzlich war ich ehrgeizig. Ich wollte nicht mehr nur meine Fersen im Herabschauenden Hund näher zum Boden bringen, ich wollte auch all die anstrengenden Übungen schaffen. Die, bei denen meine Arme bisher immer zu früh schlapp machten. Und die, bei denen meinen Beine immer anfingen zu zittern.

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So endete ich irgendwann doch wieder in einem Fitnessstudio. Doch diesmal wurde ich etwas ungehalten, als der Trainer mir erklären wollte, mit welchen Übungen ich „schnell schlank“ werde. Nein! Ich wollte bitte schnell stark werden!
Während ich früher alles, was die Arbeit mit Gewichten beinhaltete, verabscheute, ist das Training im Studio heute ein bisschen wie Wellness für mich. So richtig auspowern, hinterher mit müden Muskeln wieder nach hause fahren und beim nächsten Mal dann wieder ein bisschen mehr schaffen.

Das ist übrigens noch etwas, was mich motiviert. Wenn ich merke, wie ich stärker werde und Übungen kann, von denen ich früher nicht zu träumen gewagt hätte. Dass ich über den Sommer kaum zum trainieren gekommen bin und grade wieder fast von vorne anfange, das hat mich zuerst schon ordentlich geknickt. Aber grade deshalb fiel es mir nach der Pause auch nicht besonders schwer, wieder loszulegen. Ich hatte tatsächlich Bock.

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Tja. Und da ich irgendwann nicht nur entdeckt habe, dass ich doch sportlich bin, sondern auch meinen Ehrgeiz gefunden habe (ich war nie besonders ehrgeizig, nie!), habe ich mich auch wieder auf die Laufstrecke gewagt. Das war nie wirklich mein Ding, weil es einfach anstrengend ist. Und ganz schön langweilig sein kann.
Andererseits ist es eine ideale Sportart für mich. Man braucht kaum was an Ausrüstung, kann es so gut wie überall tun und man tut es alleine. Also, wenn man will. Ich will.

Besonders jetzt im Herbst, wenn es regnet und sonst kaum einer raus will, gehe ich so richtig gern laufen. Gute Musik im Ohr, Regen im Gesicht und freie Bahn auf den Waldwegen. Das pustet mir so richtig schön den Kopf frei.
Womit mir beim dritten und letzten Grund sind, warum Sport für mich kein Mord mehr ist. Natürlich freue ich mich über eine neue Bestzeit und ärger mich, wenn ich mal einen schlechten Lauf habe. Aber mittlerweile kann ich nervigen Tagen und meinem Frust einfach davonlaufen. Und das ist herrlich.
Selbst wenn ich merke, dass ich weit entfernt von meiner besten Zeit unterwegs bin und mein Körper nicht ganz auf der Höhe ist, gibt mir der Wille, mich durchzubeißen, die Runde trotz allem zu Ende zu bringen, ein richtig gutes Gefühl. An machen Tagen läuft man nicht für neue Rekorde, sondern nur für den Kopf.

Vielleicht fühlt sich der eine oder andere jetzt ja motiviert, die eigene Unsportlichkeit zu hinterfragen und die Sportschuhe raus zu kramen (oder die Yogamatte, oder was auch immer euch liegt). Sport kann ganz schön Spaß machen, wenn man ihn aus den richtigen Gründen tut. Hört auf, euch mit Sonundsoviel-Day-Shreds und Bikini-Body-Guides zu quälen, die euch versprechen, schnell schlank zu werden.
Wenn ihr solche Videos in ein regelmäßiges, abwechslungsreiches Training einbaut und Spaß dabei habt – cool! Aber kennen wir nicht alle jemanden, der groß ankündigt, mit so einem Shred-Programm endlich fit zu werden und dann auf halber Strecke still und heimlich aufgibt? Been there, done that…

Wer Sport nur als lästiges Pflichtprogramm ansieht und sich da mit großer Unlust durchquält, der hält wahrscheinlich nicht lange durch. Oder hat nach einem Aussetzer, der immer mal passieren kann, große Probleme, sich zum Weitermachen zu motivieren.
Wenn man sich aber den richtigen Sport sucht, auf seinen Körper achtet und dann tatsächlich am eigenen Leib erfährt, wie gut das tun kann, dann kann man auch als überzeugtes Sofagemüse zum Sporty Spice werden.

Dabei kommt es auch überhaupt nicht auf schnelle Ergebnisse und einen tollen Waschbrettbauch an. Ganz im Gegenteil. Slow and steady wins the race. Und vielleicht kommt der flache Bauch dann von alleine.
Vielleicht aber auch nicht, doch wenn man nicht für sein Aussehen alleine trainiert, dann ist das ja kein Grund, das Handtuch zu schmeissen. Dafür kann man irgendwann schneller und weiter rennen, als man je für möglich gehalten hat. Oder richtig schwere Sachen heben. Oder mit der Nase die Knie berühren. Man weiß endlich, wie man nach einem harten Tag wirklich abschalten kann. Oder wie viel Schweiß es braucht, seine Ziele zu erreichen.

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  1. Hach ja, der leidige Sport… Meine Motivation hält sich in Grenzen, obwohl ich genau weiß, dass ich es machen sollte, für den Körper, für den Geist und ein ganz bisschen auch für die Waage. Yoga mag ich sehr, Laufen krieg ich einfach nicht hin. Null Kondition.
    Vor einigen Jahren habe ich Klettern für mich entdeckt. Aus dem Stadtwechsel resultierte aber der Verlust der eingespielten Kletterpartner, leider. Bisher war ich in Hamburg nur 2-3x in der Kletterhalle… das muss sich ändern. Denn eigentlich wohne ich gar nicht so weit weg von der Halle und mein Mann ist durchaus interessiert auch mein Kletterpartner zu sein. Das Equipment habe ich auch noch… wo hängt’s also? Gleich mal nach Kursen suchen 🙂
    Danke!

  2. Du hast so recht, ich habe vor zwei Jahren den Sportkurs für mich gefunden, der mich zweimal wöchentlich so richtig motiviert. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal ärgere, wenn ich ihn aus welchem Grund auch immer mal verpasse. Das passiert auch nur noch sehr selten, was ich auch nicht für möglich gehalten hätte. Wie ich in meinem letzten Beitrag ausführlich berichte, habe ich mich in den letzten Monaten noch zu Fitnesstraining zuhause aufraffen können, nachdem die Trainingsmatte und die Gewichte nach 2 Umzügen keines Blickes gewürdigt im Schrank verstaubten. Meine Motivation ist inzwischen auch mich fit zu fühlen, etwas für die Beweglichkeit und den gequälten Rücken zu tun. Wer an diesem Punkt angelangt ist, braucht nur noch den richtigen Sport und dann kann’s losgehen. Ohne dieses „klick“ im Kopf ist es verdammt schwer dran zu bleiben, so ging es mir zumindest sonst immer.

    Mach weiter so, ich bin auch guter Dinge durchzuhalten und es zur Gewohnheit zu machen.
    Viele Grüße, Silke

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