Schenkel, Röllekes, Pickel und warum ich keine Klimmzüge kann.

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Why so serious?

Gestern. Gestern hat die Juli auf ihrem Blog heimatPOTTential gesagt, ich sei dick. Und ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig.
Naja, vielleicht sollte ich das erklären, denn in ihrem Post „Wer etwas Doofes über anderer Leuts unperfekte Schenkel denkt, ist selber doof“ erzählt sie davon, wie sie sich eine Scheibe von mir abgeschnitten hat. Hm. Das macht es jetzt nicht weniger kurios.

Also: Die Juli wollte immer aussehen, wie Kate Moss. Tut sie aber nicht. Denn die Juli sieht halt aus wie Juli. Woran, außer ihr selbst, keiner etwas Schlechtes erkennen konnte. Jedenfalls hat sie das für eine lange Zeit um entspannte Sommer in kurzen Hosen und Bikinis gebracht. Sollte ja keiner sehen, dass sie nicht aussieht wie die Moss. Denn nur Moss-Maße sind die richtigen Maße. So dachte Juli. Und zwar so lange, bis dass sie mich traf.
Ich habe ja aufgegeben, wie jemand anderes aussehen zu wollen. Und beim Anblick meiner so gar nicht Moss-mäßigen Beine in kurzen Hosen und meiner Röllchen und Dellchen im Bikini (also, da waren wir auf einem Tretboot, im Hochsommer – ich bin ihr nicht einfach im Bikini ins Gesicht gesprungen), da sprang offenbar etwas von meiner „Mir doch egal! Wenn du ein Problem mit meinem Aussehen hast: Dein Problem!“-Attitüde auf sie über. Und darüber freue ich mich wie der dickste, größte, megamäßigste Schneekönig aller Zeiten. Weil sie jetzt kurze Hosen trägt und Bikinis und einfach eine gute Zeit hat. Weil sie sich wohl fühlt.

So. Juli schreibt das alles viel schöner. Deshalb solltet ihr das bei ihr nochmal nachlesen. Denn eigentlich geht es in dem Beitrag auch gar nicht um mich, sondern darum, dass man einfach mal locker durch die kurze Hose atmen soll. Die meisten unserer Makel, die sehen wir nämlich nur selbst. Den Rest der Menschheit interessieren die gar nicht.

Wer von heimatPOTTential dank Julis wunderschöner Worte her gefunden hat: Schön, dass ihr da seid! Hört auf den Bauch einzuziehen, macht es euch bequem und habt einfach eine schöne Zeit.

Und weil ich der Meinung bin, dass wir in einer Welt, die uns ständig den Zerrspiegel vorhält und uns irgendwelche Makel einreden will, nicht genug über ein echtes, ein ungezwungenes Körperbild reden können, habe ich hier noch ein paar Links rund um’s Thema für euch:

+ Dieses Bild bringt es wunderbar auf den Punkt: Sich selbst zu mögen gleicht heutzutage einem rebellischen Akt. Oh, und wie ich rebelliere! Lasst uns gemeinsam rebellieren. Revolutionieren!

+ Das Mutter-Tochter-Duo von StyleLikeU stöbert normalerweise in den Kleiderschränken interessanter Menschen. Mit ihrem What’s Underneath Project drehen sie ihr Konzept auf den Kopf und filmen spannende Menschen dabei, während diese sich bis zur Unterwäsche ausziehen. Um zu zeigen, dass Stil nicht nur die Klamotten sind, die wir tragen. Und dabei wird schnell klar: Stil hat auch nichts mit der Körperfülle zu tun. Viele der Interviewten hatten früher große Probleme mit ihrem Körper. Oder eher mit den Erwartungen, die die Gesellschaft an sie stellte. Und doch antworten die meisten auf die abschließende Frage „Is in your body a good place to be?“ mit „Ja„. Ganz besonders berührt hat mich unter anderem das Video mit Jacky O’Shaughnessy, die ganz klar sagt, dass sie sich ärgert, so viele Jahre ihres Lebens mit Unzufriedenheit und Selbstzweifeln verbracht zu haben.

+ Dieser Artikel beschäftigt sich mit der ungeschönten Schönheit von Schauspielerin Jemima Kirke (deren wundervolle Schwester Domino ist übrigens auch Teil des What’s Underneath Project). Und auch Lena Dunham sollte in Sachen Selbstbewusstsein mehr Mädchen und Frauen als Vorbild dienen. Lesenswert.

+ „No one cares if you can do a pull-up, but everyone notices if you lose five pounds.“ Dieser Beitrag erschien auf einer Fitness-Seite und vertritt wie zu erwarten die Grundannahme, dass jeder irgendwie trainieren sollte. Aber, und hier fängt mein bestätigendes Kopfnicken schon an, bitte aus den richtigen Gründen. Und dazu zählt nicht: Dünner werden. Dafür aber: Stärker werden. Schneller. Besser.
Während ich der Meinung bin, dass nicht jeder zum ehrgeizigen Sportler werden muss, kann ich den meisten Aussagen hier doch immer wieder aus vollem Herzen zustimmen. Wir müssen aufhören, zum Sport zu gehen um weniger zu werden.
So. Ich bestelle mir jetzt erstmal eine Klimmzugstange.

+ Helen Anderson ist Musikerin und Youtuberin. Ausserdem ist sie dicker, als die meisten anderen erfolgreichen Frauen und Mädchen in dem Bereich. Weshalb ihr Summer Look Book Video, in dem sie in Hot Pants, Crop Tops und auch im Badeanzug die Korken vor Lebensfreude knallen lässt, auffällt. Denn das widerspricht einfach unseren Sehgewohnheiten. Und deshalb verschreibe ich uns jetzt zur Umgewöhnung mehr Videos wie dieses zu schauen. Ist nämlich nicht weniger schön, als die Videos und Bilder von schlanken Frauen. (Helen hat vor einiger Zeit ein Video über ihre Diät gepostet. Das finde ich sehr viel weniger teilenswert. Aber das tut dem Look Book keinen Abbruch, finde ich.)

+ Schon vor über einem Jahr erschien auf martha macht ein Post zum Thema Body Shaming. Den sollten wir uns alle immer mal wieder durchlesen, denn diese unschöne Angewohnheit haben wohnt uns allen mehr oder weniger inne. Wenn wir in der Hinsicht mal ein bisschen sensibler werden, dann fällt es uns vielleicht bald auch leichter, uns unserer eigenen Körper nicht mehr so zu schämen.

+ „You look disgusting.“ Und das ist noch nicht das Schlimmste, was Em über sich lesen durfte, nachdem sie ein Bild von sich auf instagram postete, das sie ungeschminkt zeigt. Die unglaublichen Reaktionen auf dieses und andere Bilder hat sie in einem Video verarbeitet. Und es wird klar: Egal, was sie tut, irgendwer findet sich, der sie dafür beschimpft.
Als jemand, der schon in früher Jugend mit starker Akne zu kämpfen hatte (Die Pickelchen, die ich heute habe? Ein Scheiss dagegen.), kommen mir einige Sprüche nur zu bekannt vor. Und deshalb ist es mir ein echtes Anliegen, nicht nur Röllchen und Dellen salonfähig zu machen. Sondern eben auch Pickel. Akne. Ist schon schlimm genug, dass das echt unangenehm ist und weh tut. Dann soll man sich nicht auch noch Gedanken machen müssen, ob einen jetzt alle hässlich finden. Wenn mir wegen meiner Haut nicht alle das Gegenteil erzählt hätten, vielleicht hätte ich mich mit 13 dann auch ein bisschen schön gefunden. Oder zumindest ein bisschen weniger Mutantenmäßig.

+ Ok, dass Adriene am Ende ihres Posts für ihr kostenpflichtiges Yoga-Programm wirbt, das ist ein bisschen unglücklich. Aber lasst mich euch versichern, dass sie niemand ist, der auf Teufel kaum raus ihr Produkt an den Mann bringen will. Meist weist sie unter ihren Mails oder Posts auf ein zum Thema passendes Youtube-Video hin. Jedenfalls finde ich Bikini Bodies and Bad Moods sehr lesenswert. Denn, wie sie darin feststellt, der schnellste Weg einen Körper zu haben, über den man sich freut, ist einfach den Körper zu lieben, den man hat.

Vielleicht liegt es daran, dass momentan Bikini-Saison ist. Oder vielleicht ist das Frauenzeitschrift-Diät-Fass endlich übergelaufen. So oder so: Das Thema Körperwahrnehmung ist momentan präsent wie nie. Und das ist herrlich, finde ich. Denn je mehr Leute sich damit auseinander setzen, umso mehr erkennen hoffentlich, dass sie entgegen aller Dinge, die die Werbung einem weismachen will, absolut in Ordnung sind. Und dann werden hoffentlich aus Rebellen Revolutionäre, die den Weg zu einem neuen Körperbild ebnen.

Jetzt gehe ich aber erstmal ins Bett. Schönheitsschlaf, ne.

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  1. Ich freue mich immer, wenn ich Beiträge zum Thema „Akzeptiere deinen Körper wie er ist“ finde. Denn es ist etwas das mich selbst auch sehr stark beschäftigt und deshalb ist es für mich spannend, zu lesen, wie andere Menschen darüber denken. In diesem Sinne auch vielen Dank für die Links.

    Meinen Körper zu akzeptieren und vor allem schön zu finden, als er noch dicker war, habe ich nicht geschafft. Der Wunsch schlank zu sein – ob aus gesellschafltichem Druck oder innerer Überzeugung – war immer zu groß. Nachdem ich nun zahlreiche Kilos leichter bin, ist mein Körper immer noch weit weg von perfekt (hallo Cellulite!), aber ich finde ihn trotzdem schön.

  2. Muschelmaus 16. Juli 2015

    tolle Posts, danke dafür. Ich selbst musste erst über 40 Jahre alt werden, um da eine gescheite Einstellung zu bekommen. Nun fühle ich mich endlich angekommen und hoffe, dass es die anderen eher schaffen. Da geht sonst einfach zu viel Lebensqualität bei drauf und da spreche ich aus Erfahrung.

  3. Richtig Schwesterchen,

    es geht nicht ums weniger zu sein, sondern ums MEHR schaffen. Ich hoffe du trainierst bereits fleißig um nächstes Jahr den Kerls zu zeigen, dass du auch als Frau Strongman schaffst!

    Ich lerne meinen Kram und trainiere bereits fleißig.

    Übrigens die Klimmzugstange bestellen ist gut, montieren ist besser und trainieren daran unschlagbar.

    Lieben Gruß

  4. Hallo Ellen,

    wieder einmal bringst du es auf den Punkt. Ich hoffe sehr, dass dies der Beginn einer neuen Sichtweise und Körperwahrnehmung ist und sich bald etwas in unserer Gesellschaft, aber auch in den Medien ändert. Bei der Rebellion bin ich gerne dabei, wer will nicht RevolutionärIn sein? 😉

    Du bist mit deiner Einstellung sicher ein gutes Vorbild und auch ich schaffe es inzwischen häufig, auf die Meinung anderer zu pfeifen und mein Wohlgefühl in den Vordergrund zu stellen. Und wenn ich mal wieder vorschnell urteile oder über jemanden, der „unpassend“ gekleidet ist den Kopf schüttle mache ich mir dies bewusst. Denke, dass ist ein guter Anfang fürs Umdenken.

    An dieser Stelle ganz passend von uns Herbert: „es wird Zeit, dass sich was dreht“.
    Bewahre dir diese Einstellung und verbreite sie so gut es geht.

    Viele Grüße, Silke

    • Jetzt verwechselst du mich aber! 😀
      So oder so, beim nächsten Mal sachste einfach Tach, ja? 🙂 <3

  5. Hej,

    ich verfolge gelegentlich Juli’s blog und bin nun hier gelandet; und nein, definitiv keine „Röllekes“. Das sieht gaaaaaaanz anders aus. Mein BMI kriege ich auch nie normal, hab halt „schwere Knochen…“ 🙂

    Aber für die Beine hätte ich einen heissen Tipp: Radfahren (und zwar auf die sportliche Art).

    Btw. das täte dem Hund auch gut…

    gruss aus dem tiefen Süden

    • Hej Antonio!

      Danke, für deinen Kommentar. Offenbar hast du nicht nur „schwere Knochen“, sondern bist auch ein bisschen schwer von Begriff: Weder mein Hund noch ich sind unzufrieden mit unseren Beinen. Und leider sind wir auch beide keine Fans von Radfahren.
      Heisser Tipp für dich: Beim nächsten Mal aufmerksam lesen, dann denken, dann kommentieren 😉

      Liebe Grüße tief aus dem Westen,
      Ellen und Newton

  6. Super Links!
    Super lange durchklickt und hängen geblieben, hängen geblieben, .. .
    Super spät jetze für den super-d.-Tag morgen. Hat sich aba super gelohnt!

    Danke Dir + gute Nacht! M : )

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