Müritz, August 2015

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Seit jener Woche im August träume ich von einem kleinen Segelboot. Und einem reetgedeckten Häuschen. Einem großen Garten mit eigenem Anleger und Badestrand an der Müritz. Oh, und von Torf, einem in Schokolade und Zucker getränkten Stück Biskuit, das es beim Bäcker Hatscher in Waren gab.

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Der Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte war schön. So schön, dass ich nicht ganz ohne ernste Absichten die Aushänge für Hausverkäufe studierte. Natürlich bleibt es beim Träumen, keine hundert Pferde könnten meinen Mann dazu bewegen, in eine Gegend zu ziehen, in denen es noch schwieriger ist, einen halbwegs vernünftigen Internetanschluss zu bekommen, als hier in Bochum.

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Trotzdem. Wie wird man Park Ranger im Müritz-Nationalpark? Kann man von Bed & Breakfast leben? Wieviel kostet es, den Bootsführerschein zu machen? Welche Auflagen müsste Newton erfüllen? Gibt es eine Rasseliste? Kann man jemals genug kriegen, von den duftenden Wäldern mit weichem Sandboden und dem kristallklaren Wasser der unzähligen Seen?
Man wird wohl noch fragen dürfen.

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Immer wieder mussten wir uns fragen lassen, ob die Mecklenburgische Seenplatte denn wirklich eine gute Gegend zum Wandern wäre. Gefragt hab sich das vor allem Radfahrer und Bootsurlauber.
Ich glaube, die einen waren einfach zu schnell unterwegs, haben die wunderschöne Landschaft nur im vorbeifliegen gesehen und waren zu sehr damit beschäftigt, auf den unbefestigten Wanderwegen nicht mit ihren Rädern im Sand stecken zu bleiben oder über Wurzeln zu fallen. Die anderen mögen zwar eine schöne Zeit auf ihren Booten gehabt haben, aber auch jenseits des Wassers ist Mecklenburg mehr als sehenswert.

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Wilde Wiesen. Herrlich duftende Nadelwälder. Moorlandschaften und kleine, einladende Ortschaften. Bauernmärkte und alte Höfe und Künstler Ateliers. Üppige Schrebergärten. Seeadler und Fischadler und Fledermäuse. Eidechsen. Kormorane. Alte Eichen und Buchen. Wildgänse.

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Oh, und nackte Menschen. Auf all unseren Touren um die verschiedenen Seen konnten wir immer wieder Spaziergänger und Radfahrer beobachten, die sich ungeniert im klaren Müritzwasser zu einer Abkühlung verhalfen. Ich war selber oft genug davor, alles von mir zu schmeissen und eine Runde baden zu gehen. Heute ärgere ich mich fast ein bisschen, dass ich mich nicht getraut habe. Beim nächsten Mal.

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Vielleicht auch lieber noch nicht beim nächsten Mal, denn wenn es nach mir geht, dann verbringen wir spätestens im Advent ein langes Wochenende in einem hübschen kleinen Ferienhaus irgendwo zwischen Klink und Waren. Dann ist es mir zu kalt zum schwimmen. Dem Hund aber ganz sicher nicht. Newton, der zwar gerne mit den Füßen im Wasser steht und sich in Pfützen wälzt, das Schwimmen im tiefen Wasser aber unheimlich findet, wäre an der Müritz mit ihren langen, flachen Ufern sicher im siebten Himmel. Und im Gegensatz zur salzigen Nordsee könnte er an der Mecklenburgischen Seenplatte so viel Wasser saufen, wie er möchte.

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Dann fahren wir auch wieder mit einem der Linienschiffe, die an den kleineren Anlegern vor dem Festmachen erst zu den Wartenden herüber rufen, in welche Richtung es gehen soll.
„Wollen sie nach Röööööööbeeel?“
Und diesmal will ich nach Röbel.

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An den Stränden mussten wir nirgends Eintritt bezahlen. Sogar das Volksbad, ein kleines Seebad mit Wasserrutsche und Liegewiese, kann jedermann völlig kostenfrei nutzen. Und trotzdem war es überall sauber und ordentlich.
Vielleicht gibt man sich für die Touristen viel Mühe. Vielleicht wissen die Mecklenburger ihr Glück aber auch einfach wirklich zu schätzen.

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Und was für ein Glück sie haben. Ein Sonnenuntergang über dem See, der nicht umsonst kleines Meer genannt wird, und ich habe mich verliebt.
Vielleicht auch ein bisschen in die Tatsache, dass man da schnell ab vom Schuss ist. Ich bin gerne ab vom Schuss. Auch wenn es nur die Wenigsten nachvollziehen können: Ein kleines Haus irgendwo im Nirgendwo, einem Nirgendwo weit weg von Menschenmassen und dem Trubel der Großstadt, das ist eine Vorstellung, die mich sehr glücklich macht.

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Vielleicht erfüllt sich der Traum vom Haus am See ja doch noch irgendwann. Vielleicht mache ich ja tatsächlich irgendwann noch den Bootsführerschein und das Haus liegt sogar auf dem See. Dann genieße ich frisch gebratenes Zanderfilet und ein Glas sächsischen Wein, während die Sonne hinter dem Horizont verschwindet und freue mich des Lebens.

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Bis dahin freue ich mich auf den nächsten Besuch an der Müritz. Ob die Strandkörbe am Strand von Klink wohl auch im Dezember auf mich warten?

2 thoughts on “Müritz, August 2015

  1. Fee

    Die Sache mit Haus im Nirgendwo kann ich sehr! gut nachvollziehen.Diese Vorstellung macht mich auch glücklich und ne Stunde Autofahrt zur nächsten Stadt würde mich nicht abschrecken. Der einzigste Grund von Familie und Heimat wegzuziehen wäre für mich ein kleines Haus einem kleinen Ort am Meer (also im Norden, nicht etwa das Mittelmeer).

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  2. Susi

    Liebe Ellen,
    Du schreibst wunderschön über meine erste Heimat. Ich komme zwar nicht aus Waren und auch nicht von der Müritz aber aus dem wunderschönen Neubrandenburg. Das kann ich Dir auch ganz unbesorgt ans Herz legen, wenn es Dich mal wieder in die Gegend zieht und dann grüß‘ mir die Wolken – es gibt nirgends so schöne Wolken wie in Mecklenburg-Vorpommern! Mittlerweile bin ich, nach 13 Jahren in der Nähe von Hannover, vor fast 9 Jahren in der schönen Ostschweiz gelandet und liebe jede Gegend in der ich schon gelebt habe – aber die erste Heimat bleibt eben immer was ganz Besonderes.
    Liebe Grüße
    Susi

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