Lieber DHL-Mann, wir müssen endlich aufhören, uns so oft zu sehen…

Kommentare 7

Shop Stop

Nein, ich hab kein Fisternöll mit unserem Paketboten. Auch wenn man das in Anbetracht seiner häufigen Besuche sicher denken könnte.

Vielmehr tu ich mich mal wieder schwer damit, auf mich selbst zu hören. Letztes Jahr habe ich noch verkündet, mich von meiner Kauf- und Haben-Woll-Sucht befreien zu wollen. Keine sechs Monate später finde ich mich in einem Online-Shopping-Rausch wieder, der sich gewaschen hat.

Die verschiedensten Lieferunternehmen geben sich hier mittlerweile die Klinke in die Hand, auf meinem Handy findet sich zu jedem denkbaren Onlineshop die passende App und mein lokaler Hermes-Paketshop ist wahrscheinlich kurz davor, mir Hausverbot zu erteilen, weil ich ständig Retouren abgebe, aber nie etwas kaufe.
Ja, richtig erkannt. Ich bestelle Unmengen und schicke dann Unmengen wieder zurück. (Keine Sorge, ich behalte genug von den Klamotten hier – wäre ja nicht zu verantworten, die ganze hin und her Schickerei für nichts und wieder nichts…)

Wahrscheinlich ist das Internet Schuld daran, die aktuelle Sternenkonstellation oder es ist die Auswirkung von Chemtrails, aber ich habe seit einiger Zeit ständig das Gefühl, dieses eine Teil ganz dringend zu brauchen. Wobei dieses eine Teil bisher schon so einiges war, vom schwarzen Pullover über Katzaugensonnenbrillen bis zu einer neuen Latzhose („neu“, weil ich bereits eine Latzhose habe…). Und mit ganz dringend meine ich überlebensnotwendig. So wichtig, dass ich mir ganze Wochenenden in den einschlägig bekannten Onlineshops um die Ohren schlage und vor Dringlichkeit nicht richtig schlafen kann.

So. Von diesem Wahnsinn bekomme ich langsam Stressfalten und viereckige Augen. Die ganze Rumklickerei auf der Suche nach der perfekten Jeansjacke (ist ja nicht so, als hinge da nicht just in diesem Moment bereits eine wunderbare Jeansjacke in unserem Flur) oder whatever macht nichtmal Spaß. Die Lauferei, um den ganzen Kram zurück zu schicken macht auch keinen Spaß. Und nachher trotzdem noch einen Stapel Rechnungen für Nullachtfuffzehnklamotten vom Textilschweden und Konsorten zuhause liegen zu haben macht erst recht keinen Spaß.

Weil mich „kein Spaß“ aber offensichtlich nicht davon abhält, im Zweistundentakt alle 67 Shopping-Apps auf meinem Handy nach Neuheiten zu checken, hilft wohl nur kalter Entzug.
Die Apps? Gelöscht, allesamt. Das letzte Retouren-Paket? Zum Hermes-Shop gebracht. Onlineshopping? Gestrichen.

ONLINESHOPPING

Und zwar bis Black Friday, mindestens. (Ich habe bisher noch nie am Black Friday/ Shop Small Saturday/ Cyber Monday irgendwas im Internet bestellt. Aber vielleicht würde ich dieses Jahr ja gerne. Wenn ich es bis dahin tatsächlich schaffe, den digitalen Einkaufswagen in der Garage zu lassen, interessiert es mich vielleicht aber auch gar nicht mehr. Wer weiß.)

Damit ich das Jucken im Zeigefinger (Klick – Gekauft!) nicht mit einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt beruhige, ist auch der gestrichen.
Was ich mir ab sofort noch gestatte sind Second Hand Shops und kleine Lädchen, in denen Stöbern noch was von Abenteuer hat. Naja. Ihr wisst schon. Cold Turkey und so. Ersatzprogramm.

Was ich mir davon erhoffe? Endlich den Ausstieg aus dem Fast Fashion Karussell zu schaffen. Aufzuhören, meine Lieblingsteile im Schrank für „besondere Gelegenheiten“ aufzubewahren. Diesen fiesen „Will ich haben!“-Kerl aushungern. Und nach jahrelangem „Ich find da nie was“ den Second Hand Shop Bogen rauskriegen.

Warum ich das hier erzähle? Mal wieder? Ist halt einfach ein bisschen peinlich, öffentlich zugeben zu müssen, dass man an den eigenen Vorsätzen gescheitert ist. Mal wieder.
Weil ich grade Pommes essen war, als der liebe Gott die Selbstdisziplin verteilte, seid ihr jetzt meine Kontrollettis, deren missbilligende Blicke ich ab sofort immer auf mir spüre, wenn der Mauszeiger wieder Richtung Onlineshop wandert.

Kommentare 7

  1. Oh, das kenne ich, Selbstdisziplin ist mein Feind! 😉 Ich habe gerade den „Vorteil“, dass ich kein Geld habe. Es ist schlicht keines da zum Ausgeben, was mich auf der einen Seite wahnsinnig macht, aber auf der anderen dafür sorgt, dass ich einen automatischen Kaufstopp habe. Das ist immerhin schon mal etwas. Jetzt hoffe ich, dass ich dadurch auch in Zukunft (sollte ich jemals wieder Geld haben) damit meinen Kaufrausch eindämmen kann.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Durchhaltevermögen. Tschacka!

    lg,
    Sarah

  2. Bei mir ist es ähnlich mit dem Online shoppen. Ich mach das viel lieber,als durch die Läden zu streifen. Leider merke ich dies auch am Portemonnaie an. Ich bestelle meist mehr, als ich ausgeben kann. Deshalb gibt es auch bei mir von nun an einen Stopp. Wenn etwas bestellt wird, dann nur, wenn ich es wirklich wirklich wirklich brauche und es auch gleich bezahle. (Schuldenfalle und so…)
    Liebe Grüsse Alizeti

  3. In meinem Kopf bist du immer noch die Queen der Capsule Wardrobe! Ich glaub an dich! 🙂

    Ich hasse, hasse, hasse Shopping tatsächlich. Ob offline oder online. Schöne Klamotten liebe ich trotzdem abgöttisch. Sollte ich in diesem Leben einmal ganz extrem reich werden (unwahrscheinlich), dann gönne ich mir einen Personal Shopper. Der weiß, was mir steht, mich auch mal zu Sachen „zwingt“, die ich auf den ersten Blick doof finde udn dann zu lieben lerne. Der mir das lästige Shoppen abnimmt. Das wäre famos! <3

  4. Ich habe festgestellt, dass mir für andere zu shoppen fast noch mehr spaß macht als für mich. PLUS: es kostet nicht mal was. Also win-win sozusagen.
    Von daher stelle mich immer gerne zu Verfügung wenn eine Freundin an ihrer einseitigen Garderobe verzweifelt und spiele Einkaufsberaterin.

    Nichts desto trotz kennen die im Hermespaketshop auch schon meinen Namen.

  5. Die Pommes waren auch bei mir leckerer als die Gott gegebene Selbstdisziplin…
    So was! Aber egal. Man kann ja auch nicht in allem gut sein. 😉

  6. Pingback: Samstagskaffee für ein „Treat yo self“-Wochenende – wertvoll

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.