Die Sache mit dem Stecker.

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Stecker-raus

Unplugged. Das war in den 90ern auf MTV schonmal ganz groß in Mode. Heute, 2013, habe ich Unplugged für mich wiederentdeckt. Dabei geht es mir weniger um meine Gitarre, als viel mehr um mein Leben so ganz im Allgemeinen.

Seit dem wir damals vor nichtmal zehn Jahren endlich auch in meinem Elternhaus dieses sagenumwobene Ding namens Internet kriegten hat sich die Zeit, die ich online verbringe, vervielfacht.
Dass sich die Zugangsmöglichkeiten vom familieneigenen Gemeinschafts-Computer nach und nach auf Laptop, Handy und Tablet verteilten, macht die Sache nicht besser.

Und ich bin nicht die Einzige, die mittlerweile nicht mal mehr im Kino und beim Essen auf den Blick ins facebook-Postfach und auf die twitter-Timeline verzichten kann. Nichts geht mehr ohne den heissen Draht ins WWW.

Während ich immer mehr und mehr Zeit mit dem iPad in der Hand verbringe und mir die ewig gleichen Blogposts und instagram-Bildchen reinziehe, hat mein „Will ich bald lesen“-Bücherstapel zwischenzeitlich sogar schon das Wachstum eingestellt. Ich lese nicht nur sehr viel weniger Bücher, ich kaufe sogar weniger. Denn wer den ganzen Tag im Internet rumdödelt, der hat keine Zeit zum mußevollen Bücherkauf. Der hat auch keine Zeit, mal vor die Tür zu gehen, einfach so, weil’s draussen schön ist. Im Hintergrund dudelt dazu unablässig der Fernseher. Ganz nach dem Motto: Irgendwas läuft immer. Wer sich jedoch andauernd durch die Programme zappt, der verpasst das wirklich gute.

Aber macht das so denn Spaß? Nicht wirklich. Der Kopf ist Dauer-Matsche und der Blick auf die ungelesen Blogposts und neuen Tweets löst Stress statt Freude aus. Zeit also, den Stecker zu ziehen.

Als bekennender Medien-Suchti garnicht so leicht und direkt auf Cold Turkey setzen will ich mich sicher nicht. Doch folgende Maßnahmen habe ich mir überlegt, um diesen ausgearteten Dauerkonsum zu beenden:

+ Entfolgen. Jeder Blog, jeder Twitter-Tuppes, jeder instagram-Heini, der mich nicht wirklich brennend interessiert wird von meiner Liste gestrichen. Mein bloglovin-Feed etwa, so mein Vorhaben, soll bald nur noch 13 Blogs umfassen, bei denen ich den nächsten Post garnicht abwarten kann. Ich habe schon ordentlich ausgemistet, von um die 70 auf 22. Die letzten neun traue ich mich hoffentlich bald auch zu streichen.

+ Muten. Die, mit denen ich in Kontakt bleiben will, von denen ich aber kein stündliches Befindlichkeits-Update brauche, werden auf stumm gestellt. (Geht das eigentlich irgendwie auch bei twitter?)

+ Byebye, instagram. Naja, so ganz kann ich mich von meiner liebsten Plattform nicht trennen. Aber vom iPad, auf dem es sich so herrlich bequem stundenlang durch die Bilder fremder Leute gucken ließ, habe ich die App kurzerhand gelöscht. Auf dem Smartphone hingegen darf instagram bleiben, da benutze ich es aber auch eher zum selber Bilder teilen als zum Angucken.

+ Die Oder-Regel. Fernsehen oder Laptop oder Handy oder Tablet. Als jemand, der gerne alle Geräte auf einmal im Blick hatte, fällt mir das bisher tatsächlich am schwersten. Während dem Abend-Film nicht alle 10 Minuten mal bei facebook reinschauen? War mir lange Zeit nicht möglich.

+ Benachrichtigungen abstellen. Und zwar alle. E-Mail, facebook, twitter, instagram… Ab sofort ist Ruhe.

+ Abmelden. Man kann nicht überall ganz vorne mitmischen. Da lässt man manches lieber sofort bleiben. Ich überlege, mich von twitter oder facebook zu trennen, von google+ sowieso. Zumindest bei den ersten beiden würde es mir doch ziemlich schwer fallen. Naja, mal schauen…

Und dann wäre da natürlich noch die einfachste und gleichzeitig schwerste Maßnahme gegen den digitalen Overkill:

+ Weglegen. Den ganzen Kram einfach mal für ein paar Stunden, einen Tag, eine Woche auf Seite packen. Kein Computer, kein Fernsehen. Sogar kein Handy. Einfach mal unerreichbar sein.

All diese Dinge habe ich mir vorgenommen und setze einiges davon auch schon um. Vielleicht ist die eine oder andere Idee dabei, die euch hilft, auch mal ein bisschen abzuschalten. Wenn dem so sein sollte wünsche ich euch eine schöne Zeit, mal ganz unplugged.

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  1. An dem Punkt bin ich auch grade (mal wieder). Was erstaunlich gut funktioniert: Am Wochenende das Haus ohne Handy verlassen. Mal zwei Stunden spazieren gehen, ohne das Teil mitzuschleppen. Vielleicht stattdessen mal ein Buch einpacken und irgendwo gemütlich lesen – EINE Geschichte oder etwas zu EINEM Thema. Mich stört neben dem ständigen ins-Internet-gucken nämlich dann und wann auch die totale Reizüberflutung durch zu viele Geschichten, Bilder etc… Also: viel Erfolg. 🙂

    • Ohne Handy rausgehen mache ich jetzt auch öfter. Schon allein, weil ich es momentan oft nicht finde 😉
      Und mit der totalen Reizüberflutung hast du absolut recht!

  2. Ja, stimmt schon, was du schreibst.
    Ich persönlich hab ja „nur“ Smartphone und Laptop. TV geht noch nicht und Tablet hab ich kein Geld für.

    Ich denke vielleicht sollte ich auch mal so ne Internet- & Handyfreie Zeit einräumen und einfach nen Buch lesen 🙂

      • Langsam lese ich mich durch deinen Blog. Dazu brauche ich halt Smartphone oder Laptop. Dieses lästige kleine Bananaphone verfolgt (vllt begleitet) mich fast andauernd. Meine wirklichen off-Phasen hab ich beim Sport meistens nehm ich es zwar mit aber es verbleibt zumeist in Tasche und Schließfach. Aber Bescheid sagen wenn es nach dem Training oder Spiel noch auf ein Bier geht muss ich ja. Aber die Idee zu reduzieren gefällt mir ganz gut. Obwohl ich ja weder Twitter noch Facebook oder sonstiges habe verspüre ich viel zu oft den Drang nachzusehen was passiert ist.

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