Das erste Trimester. // Wie man auch als Ungeduld in Person die ersten zwölf Wochen übersteht.

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Das erste Trimester

Siebte Woche oder so – der noch nicht vorhandene Babybauch muss natürlich trotz seines Nichtvorhandenseins dokumentiert werden.

Schwanger. Hui, toll! Los geht’s, kein Halten mehr, sieht man schon was und was mach ich jetzt bloß? Erstmal den eigenen Alltag auf Schwangerschaftstauglichkeit prüfen. Hat sich da schon was bewegt? Nein, nur Blähungen. Ich muss mir jetzt schnell die richtigen Bücher besorgen, ich hab doch keine Ahnung. Und was zum Teufel gehört auf so einen Geburtsplan? Erstmal Kindersicherungen an den Steckdosen anbringen. Wann ist es denn endlich soweit?

Die Ungeduld setzt in dem Moment ein, in dem die kleine Sanduhr-Animation auf dem Display des Schwangerschaftstests erscheint. Und egal, wie lange einem die paar Minuten bis zum positiven Ergebnis erscheinen – ab jetzt geht erstmal nichts mehr so schnell. Das kann für jemanden, der keine Lust hatte zu warten als die Geduld verteilt wurde, eine ganz schöne Herausforderung werden.

So eine Schwangerschaft kann sich ganz schön ziehen. Man hört immer wieder von werdenden Müttern, die zum Schluss ungeduldig der Geburt entgegen fiebern. Aber grade auch die ersten Monate können eine ungeahnt große Geduldsprobe sein. Man ist schwanger, aber ausser diversen Zipperlein (die manchmal gar nicht so klein sind) spürt und sieht man davon erstmal nichts. Und das bleibt auch eine ganze Weile so.

Als personifizierte Ungeduld war das erste Trimester eine ziemlich zähe Zeit für mich. Ich wollte sofort loslegen. Das Kinderzimmer einrichten. Schwangerschaftskleidung tragen (bis ich sah, was einem so an Schwangerschaftskleidung geboten wird 😒). Schwangerschaftsyoga machen. Einen Geburtsplan aufstellen. Kreißsäle besichtigen. Einen Geburtsvorbereitungskurs machen.
Ich habe sehnsüchtig darauf gewartet, dass der Bauch wächst und ich die ersten Kindsbewegungen spüre. Dass sich diese ganze Schwangerschaftskiste endlich real anfühlt.

Mittlerweile fühlt es sich tatsächlich real an. Die Ungeduld hat sich vorübergehend verzogen und den anfänglichen Übereifer direkt mitgenommen. Aber bis hier hin waren es ein paar laaaaaaaange Monate. Und rückblickend würde ich vielleicht ein paar Dinge anders machen:

Ich würde…

…mit dem Schwangerschaftsyoga warten, bis ich mich tatsächlich schwanger fühle. Jetzt fehlt mir nämlich mein „normales“ Programm und ich ärger mich ein bisschen, vorschnell damit aufgehört zu haben.

…mir noch früher eine Hebamme suchen. In manchen Gegenden muss man quasi eine bei der Hand haben, sobald der Test positiv ist, weil man sonst ohne dasteht (dieser Mangel an Hebammen ist wirklich furchtbar und ein Umstand, über den ich mich immer wieder ärgere). Doch auch, wenn die Hebammen vor Ort nicht so stark ausgelastet sind, kann es eine gute Idee sein, sich schon früh um Betreuung zu bemühen. Klar, andere Mütter helfen auch gerne weiter, wenn man zum ersten Mal schwanger ist und vor einem riesigen Berg an Fragen steht.
Aber eine gute Hebamme zu haben, der man vertraut, erspart einem viele Zweifel und eine ganze Menge heimlichen Googelns. Ob es darum geht, was man noch essen darf oder ob man den geplanten Urlaub jetzt absagen muss – zwischen den unzähligen widersprüchlichen Meinungen, die einem in der Schwangerschaft entgegenschlagen, ist der Rat einer gute Hebamme Gold wert (klar, eine Frauenärztin oder andere Vertrauensperson in Sachen Kinderkriegen tut es auch, aber auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei meiner Hebamme, zu denen sie sich jeweils eine knappe Stunde Zeit für mich nimmt, will ich nicht mehr verzichten – außerdem hat meine Ärztin mir noch nie angeboten, mich zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Sorgen und Problemen an sie zu wenden).

weniger googeln und statt dessen meine Hebamme fragen 😉

…anderen vielleicht früher von meiner Schwangerschaft erzählen. Man fühlt sich mit seinem „kleinen Geheimnis“ manchmal ganz schön einsam. Gegen die immer wieder anklopfende Angst, Teil der Statistik zu werden aufgrund derer Frauen dazu geraten wird, die anderen Umstände bis zur zwölften Woche für sich zu behalten, könnte der Austausch mit Freunden und Familie vielleicht helfen. Und nicht zuletzt ist es vielleicht nicht schlecht, wenn im Fall der Fälle Menschen da sind, die einem Trost und Verständnis spenden.

…nicht nur eine Liste aufstellen, mit Dingen die man vor der Geburt noch erledigen will, sondern auch schon damit anfangen. Für große Anschaffungen ist es vielleicht noch zu früh, aber ich hätte schon im Herbst anfangen sollen, das Haus zu entrümpeln und Platz zu schaffen. Und auch mit einer selbstgenähten Patchworkdecke hätte ich schon längst anfangen sollen. Zum achtzehnten Geburtstag dann vielleicht. (Oder vielleicht erbarmt sich meine Mama ja…*Wink mit dem Zaunpfahl*)

Überraschender Weise hab ich nicht alles verkehrt gemacht, haha. Allen Mit-Ungeduldigen könnte es so wie mir vielleicht helfen…

…sich mit seiner ganzen Vorfreude bei Pinterest auszutoben. Man kann Bilder von Kinderzimmern, Schwangerschaftsoutfits, Wunschlisten und Infocharts auf einer Pinnwand sammeln. Und wer das alles vor fremden Augen verborgen halten möchte, der stellt diese Pinnwand einfach auf „geheim“.

…anstatt eines extra Stillkissens* erstmal ein schmales Kopfkissen zu nehmen, um sich daran zu gewöhnen, auf der Seite zu schlafen und es mit dem laaaaaaaaangsam wachsenden Bauch auch Nachts noch bequem zu haben. So ein gewöhnliches Kopfkissen nimmt nicht ganz so viel Platz weg, kostet nicht so viel und macht trotzdem auch mit fortschreitender Schwangerschaft einen ziemlich guten Job. Ausserdem findet man dafür schönere Bezüge 😉 (Ich benutze im Moment dieses Kissen und auch wenn mein Mann und mein Hund nicht besonders begeistert sind, freue ich mich jede Nacht wieder über diese Anschaffung.)

…eine Playlist für das Kind zu erstellen! So von wegen musikalischer Früherziehung. Ehrlich gesagt war das so ziemlich das erste, das ich gemacht hab nachdem fest stand, dass ich schwanger bin. Und noch heute kommen immer mal wieder Lieder dazu, mit denen ich mein Kind aufwachsen hören will.
Jedes Mal, wenn die emotionale Achterbahn in den ersten Wochen zu wild wurde, habe ich diese Playlist angeschmissen und laut aufgedreht. Sofort ging es mir besser. Ist übrigens noch immer mein Nummer-Eins-Trick gegen emotionale Talfahrten in dieser Schwangerschaft. (Und unser Sohn kommt wahrscheinlich auf die Welt und kann direkt „Stairway to Heaven“ mitsingen…)

…nicht auf den Rat meiner Frauenärztin zu hören, mit der Hebammensuche bis zur zweiten Hälfte der Schwangerschaft zu warten. Gut, dass meine Schwiegermutter früher selber Hebamme war und mir noch zeitig genug den Tipp geben konnte, mich schon eher darum zu kümmern.

erstmal NICHTS an Babysachen zu shoppen. Nicht unbedingt, weil die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt in den ersten Monaten der Schwangerschaft statistisch gesehen besonders hoch ist. Passieren kann immer was. Sondern weil ich den ganzen Driss sonst jetzt schon seit Wochen hier herumliegen hätte. Und es wird ja nicht weniger! Wenn man einmal anfängt, dann nimmt man doch schnell hier und da noch alles mögliche mit, einfach weil’s so niedlich ist.
(Ehrlich gesagt finde ich viele Kindersachen überhaupt nicht so besonders schön. Ich bin halt einfach nicht wirklich für Pastellfarben und Sternchenprint zu haben…Bei Kinderbüchern allerdings muss ich mich schon sehr zusammen reissen)

…regelmäßig Fotos vom werdenden Babybauch zu machen, auch wenn es anfangs eigentlich nicht viel zu fotografieren gibt. Man kriegt die Wochen überraschend gut rum damit, eine eigentlich unsichtbare Entwicklung zwischen zwei Bildern zu suchen 😀

…eine Schwangerschafts-App runter zu laden. Ja, diese Apps sind ein bisschen albern und erzählen nicht selten auch mal ganz schönen Mist. Aber wenn man jeden Tag oder jede Woche nachlesen kann, was grade so im eigenen Bauch passiert, dann ist das ein bisschen wie ein Adventskalender und hat mir zumindest die Wartezeit ein wenig verkürzt. (Man kann das natürlich auch einfach auf Webseiten oder in Büchern* nachlesen, aber so eine App ist halt einfach praktisch.)

Auch wenn es einem zwischenzeitlich nicht unbedingt so vorkommt, ist auch das erste Trimester irgendwann rum. Das heisst zwar nicht, dass man morgens beim Aufwachen plötzlich einen dicken Bauch hat und das Kind den ganzen Tag zappeln fühlt, aber nachdem der erste große Meilenstein einmal geschafft war, verging die Zeit gefühlt direkt viel schneller.
Bevor man sich versieht ist dann auch schon die halbe Schwangerschaft rum, der Geburtsvorbereitungskurs gebucht und der erste Kreißsaal besichtigt. Und ständig ist irgendwas los, im Bauch wird langsam aber spürbar geturnt, man passt in keine einzige Hose mehr und wird das erste Mal auch von Fremden als Schwangere wahrgenommen. Auch beim Arzt gibt es jetzt alle naselang was Neues. Organscreening, Zuckertest, erstes CTG. An diese blöde Piekserei wegen des Eisenwertes konnte man sich zum Glück schon in den ersten Monaten gewöhnen. Und dann fällt einem auf, was man noch alles bis zur Geburt erledigen will und plötzlich rast die Zeit viel zu schnell, während man noch immer nichts auf seiner Liste abhaken kann…

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Kommentare 6

  1. „Stairway to Heaven“ spielt unsere Spieluhr. ♡ Ich glaube das war eine meiner ersten Besorgungen, eine ordentliche Spieluhr. Einfach aus Angst, ich hätte sonst später jeden Abend einen Twinkle Twinkle Little Star Ohrwurm oder schlimmeres. 😉

    • So eine Spieluhr steht hier auch auf dem Wunschzettel 😉 Wobei der zukünftige Papa natürlich noch lieber was von Black Sabbath hätte 😀

  2. Liebe Ellen,

    Danke für diesen großartigen Post und herzlichen Glückwunsch zum baldigen Mini 🙂 ich habe letzte Woche positiv getestet und da hilft mir das gerade sehr, was du hier schreibst. Ich wollte auch fragen, ob du uns vllt einen Teil der Playlist zeigen magst? Wir haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack (glaube ich, soweit man das als creepy Internetleser beurteilen kann) und würde mich über Beschallung freuen. Alles Liebe und nochmal danke für deine super duper Einstellung zum Mama/Frau/Mädchen/Ich sein! ❤️

    • Na, herzlichen Glückwunsch! <3
      Ich hatte eigentlich gar nicht vor, die Playlist zu teilen, aber vielleicht stelle ich sie demnächst mal in Auszügen vor 🙂
      Danke für deine lieben Worte!

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