Capsule Wardrobe revisited.

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Capsule Wardrobe Kleiderschrank

Für manche ist Silvester ein Tag wie jeder andere im Jahr. Oder einfach nur ein guter Grund, sich dumm und dämlich zu saufen.
Für mich jedoch ist es immer wieder der richtige Moment für einen frischen Anfang. Während andere den Frühjahrsputz zum Anlass nehmen, auszumisten und die hinterletzten Ecken zu schrubben, kann ich kein neues Jahr einläuten, bevor ich mich nicht von allem überschüssigen Ballast befreit habe.

Kleiderschrank ausmisten

Deshalb habe ich vor ein paar Wochen schon mit meinem Kleiderschrank angefangen. Nach meinem Versuch in Sachen Capsule Wardrobe ist mein Schrank jetzt wieder ein herrlich chaotischer Fundus.
Trotzdem will ich nichts darin haben, was ich nichtwirklich gut leiden kann. Und auch, wenn ich mittlerweile sehr viel bewusster neue Klamotten kaufe, bei einigen Teilen lässt die Liebe dann doch irgendwann nach.

Capsule Wardrobe Kleiderschrank

Ausserdem fällt es mir mit der Zeit immer leichter, mich von alten Sachen zu trennen, die ich bisher nur noch aus sentimentalen Gründen behalten habe, aber eigentlich nicht mehr besonders leiden konnte.
Zu guter Letzt gibt es dann auch immer ein paar Dinge, die zu klein geworden oder kaputt gegangen sind.

Capsule Wardrobe

Diesmal war der „Kommt weg!“-Berg nicht besonders groß. Denn auch wenn das Prinzip Capsule Wardrobe für mich nicht so richtig funktioniert, habe ich gelernt, wie ich Schrankleichen beim Einkaufen vermeiden kann.

Schrank ausmisten

Ich gehe zum Beispiel nur noch selten planlos Shoppen. Ich überlege mir vorher sehr genau, was ich haben möchte.
Ich gehe also nicht einfach los um Winterschuhe zu kaufen. Statt dessen suche ich etwa gezielt nach gefütterten, wadenhohen, cognacfarbenen Glattlederboots.
Ich will nicht mehr einfach einen Pullover kaufen. Ich suche so lange, bis ich einen dicken, schwarzen, nicht zu engen Rollkragenpullover aus Wolle gefunden habe. Und wenn ich keinen finde, dann kaufe ich nicht irgendeinen anderen Pullover. Sondern warte, bis mir irgendwann der Richtige über den Weg läuft.

Bordeaux Dogge

Andererseits habe ich gelernt, bei akuter Klamottenverknallheit auf die Vernunft zu pfeifen und das Objekt der Begierde auch dann zu kaufen, wenn es nicht auf meiner Liste stand, ich eigentlich sparen wollte oder kein passender Anlass in Sicht ist, das gute Stück auszuführen.
Wenn mir also morgen ein umwerfender Bikini über den Weg läuft, dann warte ich nicht lange und schlage zu. Ein auffälliger Mantel? Glitzerschuhe? Oder ein Überraschungsfund im Second Hand Laden? Her damit!

Kleidung aussortieren

Denn wenn mein Kleiderschrank eines bieten muss, dann genau das: Überraschungen. So gerne ich schlichte Basics und bewährte Klassiker mag, es wird mir schnell langweilig.
Schon als Kind habe ich mich furchtbar gern verkleidet, woran sich bis heute wenig geändert hat.
Zu meiner Standardausstattung aus Jeans und T-Shirt brauche ich immer wieder eine Prise Drama oder ein kleines Augenzwinkern. Etwas, das mich für einen kleinen Moment in eine andere Rolle schlüpfen lässt. (Momentan offenbar am liebsten in die Rolle eines Holzfällers – doch wer weiß, was ich morgen anziehen will?)

Capsule Wardrobe

Die Balance aus „gut überlegt“ und „spontan verknallt“ fällt mir übrigens gar nicht mehr so schwer. In den letzten Jahren habe ich gelernt zu unterscheiden zwischen Dingen, die ich an anderen cool finde, und Klamotten, die wirklich zu mir und meinem Lebensstil passen. Zarte Flatterkleidchen mit derben Boots? Gucke ich mir fruchtbar gerne an, doch fühle ich mich in den meisten Kleidern und Röcken irgendwie nicht wie ich selbst und kann mich darin ausserdem nicht richtig bewegen. Aber gebt mir zu den Boots ein paar Leggings und einen langen Pullover – Zack, ich fühl mich gut! Auch wenn wahrscheinlich alle anderen froh sind, dass der Leggings-Trend vorbei ist.

Füße

Ich frage mich übrigens beim Shoppen regelmäßig, ob eines meiner sogenannten „Stilidole“ etwas tragen würde, bei dem ich mir über mögliche Zu- oder Abneigung noch unschlüssig bin. Es gibt ein paar Persönlichkeiten, deren jeweiligen Kleiderschrank ich ohne zu zögern übernehmen würde. Darunter befinden sich so gegensätzliche Typen wie Caroline de Maigret, Kat von D, Tasya van Ree, Aleksandra Zee und natürlich Jay (ok, irgendwie kann ich doch einen roten Faden erkennen – ihr auch?).
Natürlich zählt am Ende nur, was ich tragen will, aber wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden kann, ob ich ein Paar knallpinker Pumps furchtbar genial oder einfach nur furchtbar finde, halte ich mich lieber an meine selbstgewählten Vorbilder, als nachher feststellen zu müssen, dass ich im Kaufrausch weit ausserhalb meines Wohlfühlspektrums zugeschlagen habe.

Capsule Wardrobe

Mein Kleiderschrank ist jetzt jedenfalls bereit für 2016. Ich wünschte, ich könnte das auch schon über den Keller sagen. Oder mein Arbeitszimmer. Oder… Sagen wir so: Es gibt noch einiges zu tun.

Ist Silvester für euch auch Anlass, auszumisten und frisch anzufangen? Oder braucht ihr den Jahreswechsel dafür nicht? Und an welchem Vorbild orientiert ihr euch, wenn ihr in der Umkleide steht und euch nicht sicher seid, ob die rosa Spitzenbluse „heisser Scheiss“ oder „großer Mist“ ist?

Kommentare 4

  1. Haha, gerade heute habe ich den unbändigen Drang gespürt auszumisten. Das ist vor allem für den Start in ein neues Jahr ein wirklich tolles Gefühl.
    Viel Erfolg beim weiteren Räumen und Rumwursteln und einen guten Start in ein wunderbares neues Jahr.
    Liebste Grüße
    Eva

    • PS: Die Idee sich an Stil-Vorbildern zu orientieren, finde ich klasse. Ich würde da glaube ich meine alte Schulfreundin nehmen. Die hat bei Stil von Klamotten Ahnung. 🙂

  2. Antje Bernhardt 30. Dezember 2015

    Vielen.vielen Dank für diesen post. Es war schon sooo lange überfällig.aber genau deswegen hab ich versucht die Notwendigkeit zu ignorieren. Dank dir hat mich jwtzt ein Ausmiste-flash überfallen. Das Schlafzimmer liegt zwar noch in Trümmern, blaüe Säcke usw, aber überall, wo vorher vier gequetschte Stapel waren, ist jetzt ein halber. Ich fühl mich total befreit Den Rest schaff ich auch noch. Jetzt kann das neue Jahr kommen. Vielen Dank!! Ich wünsch dir ein richtìg gutes nächstes Jahr.
    Antje

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