Capsule Wardrobe. // Ausmisten für Anfänger.

Das Geräusch, das ihr grade vernehmt, ist das herzhafte Lachen meiner Mutter.
Dass ausgerechnet ich anderen Leuten etwas über’s Ausmisten erzähle, findet sie sicher schreiend komisch. Immerhin war ich lange dafür berüchtigt, mich von nichts (wirklich gar nichts) trennen zu können.
Warum ihr euch trotzdem grade von mir etwas über’s Aussortieren und Weggeben erzählen lassen solltet?
Nun, ich bin doch lebende Beweis, dass man Ausmisten lernen kann!

Ausmisten

Ausmisten – für viele ist das leichter gesagt, als getan. Manche wissen nicht so recht, wo sie mit dem Ausmisten anfangen sollen. Andere haben Angst, sich von ihren Besitztümern zu trennen. Einige haben bestimmt auch vor Augen, dass all die Dinge, die sich über die Zeit angehäuft haben, irgendwann einmal Geld gekostet haben und tun sich schwer, ihre Investitionen so einfach abzuschreiben. Und wir alle sind uns bestimmt einig, dass Ausmisten ja schon irgendwie ganz sinnvoll ist, aber bitte nicht diesen alten Pullover, den kann ich zwar nicht leiden, aber ich habe ihn auf der letzten Shoppingtour mit meiner alten Schulfreundin gekauft, bevor sie nach Botswana gezogen ist. Und auch nicht diese Hose, ich kriege sie zwar nicht zu, aber irgendwann passe ich bestimmt wieder rein. Und diese Schuhe, in denen ich keine zwei Meter gehen kann, die bleiben auch – die sind so hübsch!

Eigentlich ist das mit dem Ausmisten aber gar nicht so schwer. Ehrlich. Hier kommen ein paar Dinge, die ich auf meinem Weg vom Hamster zur rigorosen Rauschschmeißerin gelernt habe:

Sich vor dem Ausmisten ausmalen, wie übersichtlich und leicht alles sein wird, wenn man sich erst mal von altem Kram getrennt hat.
Schöpft aus dem Vollen! Malt euch aus, wie hübsch ihr euer Regal dekorieren könnt, wenn ihr erst mal die ganzen Staubfänger los seid, die ihr nicht wirklich schön findet, die ihr aber aus Anstand (weil Geschenk von Schwiegermutter/ Freund/ Freundin/ Goldfisch) oder Nostalgie (wie dieses scheussliche Souvenir aus diesem wunderbaren Urlaub damals) bisher immer behalten habt. Macht euch selber richtig schön Vorfreude auf eine Umgebung, in der sich nichts befindet, was ihr nicht wirklich braucht oder irre toll findet.

Ausmisten üben: Die Trennung auf Zeit.
Jaja, ich weiß, bei vielen Dingen ist man sich nicht sicher, ob man sie toll findet. Man will ja nicht nach einem Jahr dastehen und die alte Weinkorkensammlung, von der man sich im Überschwang getrennt hat, plötzlich doch fürchterlich vermissen.
Zum Glück zwingt einen ja keiner, die aussortierten Dinge sofort wegzuwerfen oder abzugeben. Also sucht ihr euch am besten einen Platz (im Keller, auf dem Dachboden, ganz unten oder ganz oben im Kleiderschrank), an dem ihr eine Kiste (oder auch zwei, drei) mit euren ausrangierten Sachen deponiert. Da wandert dann auch immer wieder alles rein, was euch im Laufe der Zeit noch in die Hände fällt und wovon ihr nicht sicher seid, ob ihr es behalten wollt. Den Inhalt dieser Kiste ignoriert ihr dann für einige Zeit. Wenn ihr irgendwann wieder hineinschaut, achtet mal darauf, wie ihr euch beim Anblick des ganzen Krams fühlt. Seid ihr erleichtert, dass ihr etwas davon noch besitzt? Hattet ihr einiges von dem, was in der Kiste liegt, schon vergessen? Oder gibt es sogar etwas, das euch ein doofes Gefühl gibt, das euch denken lässt „Ach nee, du schon wieder“?
Nach so einer Trennung auf Zeit weiß man, welche Dinge man vermisst hat. Die dürfen bleiben. Und alles andere? Kann weg. Oder darf noch ein klein bisschen länger in der Kiste bleiben, nur um sicher zu gehen.

Nur, weil man irgendwann mal Geld für etwas bezahlt hat, muss man es nicht auf Teufel komm raus behalten.
Ich mag die Bluse zwar nicht mehr und fühle mich darin immer richtig unwohl, aber ich habe damals viel Geld dafür bezahlt, darum muss ich sie jetzt auch nutzen.„.
Diesen Gedankengang kennen sicher viele von euch. Mir ging das ganz lange Zeit nicht anders. Niemand hat gerne das Gefühl, sein Geld zu verschwenden!
Aber seht es doch mal so: Ursprünglich habt ihr Geld investiert, um euch besser zu fühlen. Mit einem hübschen Pulli, einem tollen Staubsauger, einer teuren Bodylotion. Und dann, wenn ihr euch wider Erwarten nicht (mehr) so gut damit fühlt (ein typischer Fall von Fehlkauf eben), seht die Trennung von diesem Wertgegenstand als weitere Investition in euer Wohlbefinden. Ihr werdet schnell merken, dass das Gefühl eines Schrankleichen-freien Kleiderschrankes unbezahlbar ist! Ausserdem überlegt man sich nach genügend finanziellen Verlusten dieser Art die nächste Anschaffung hoffentlich ein bisschen besser.
Ihr seid nicht bereit, den Verlust einfach so hin zu nehmen? Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt:

Aussortiertes muss man nicht wegwerfen, man kann auch etwas Vernünftiges damit anstellen.
Des einen Müll ist des anderen Schatz. Mit ein bisschen Einsatz lässt sich aus dem, was ihr selber nicht mehr haben wollt, oft noch etwas Geld raus holen. Ob ihr mit euren Sachen auf den Flohmarkt geht, zum Secondhandshop oder Internetplattformen wie ebay und KleiderKreisel nutzt, bleibt völlig euch überlassen.
Wenn ihr nicht selbst auf jeden Cent angewiesen seid, dann möchtet ihr aber vielleicht auch anderen eine Freude machen. Ihr könnt eure alten Sachen, die noch gut in Schuss sind, an eure Freunde abtreten. Oder noch besser: Ihr spendet euren aussortieren Kram. Etwa an die Tafel, die Diakonie, Sozialkaufhäuser, Frauenhäuser (die sich zum Beispiel sehr über kaum oder gar nicht genutzte Kosmetikprodukte freuen!), Obdachlosenheime…

Tappt nicht in die Vielleicht-Falle!
Ihr habt euch überwunden endlich auszumisten, steht vor eurem Kleiderschrank und trotzdem bleibt der „kann weg„-Stapel angesichts der erdrückenden Klamottenberge beunruhigend klein. Wenn ihr euch bei diesen Worten ertappt fühlt, dann seid ihr wahrscheinlich in die Vielleicht-Falle getappt. Vielleicht brauche ich diese Bluse irgendwann für ein Bewerbungsgespräch. Vielleicht passe ich in diesen Rock irgendwann wieder rein. Vielleicht möchte ich nächsten Winter genau so einen schweinchenrosa Rollkragenpulli haben.
Stop. Das Wörtchen „Vielleicht“ ist ein ganz klares Signal: Das kann weg.
Wenn ihr mal das letzte Jahr zurück denkt, dann überlegt ganz genau, wie oft ihr diese Vielleicht-Teile tatsächlich gebraucht habt. Und wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass das Unwahrscheinliche eintritt und ihr plötzlich doch eine weiße Bluse braucht oder wieder in den zu engen Rock passt? Wenn ihr ehrlich mit euch selbst seid, dann wird aus ganz vielen Vielleichts ein Auf Nimmerwiedersehen. Und alles, was euch noch immer zu einem „Aber, falls doch…“ verleitet, das wandert dann einfach für einige Zeit in die Vorübergehende Trennungs-Kiste.

Macht euch das Ausmisten so angenehm wie möglich.
Wenn ihr euren Kleiderschrank ausmisten wollt, dann räumt vorher das Schlafzimmer ein wenig auf. Oder räumt den Esstisch frei, wenn ihr die Küchenschränke in Angriff nehmt. Egal, wo ihr entrümpelt, schafft euch vorher einen Platz, an dem ihr den ganzen Kram ungestört ausbreiten, durchgehen und sortieren könnt. Nichts ist nerviger, als beim Aussortieren immer um umherfliegende Kissen oder dreckiges Geschirr herum räumen zu müssen.
Wer, wie ich, schnell hangry (also bei Hunger angry, wütend) wird, der macht sich am besten vorher noch einen kleinen Snack. Und wie alles andere macht auch Ausmisten noch mehr Spaß mit der richtigen Musik!
Wenn ihr die Gelegenheit beim Schopfe packen und den Schrank direkt mal richtig sauber machen wollt, dann legt euch alles, was ihr dafür braucht, schon vorher zurecht. Genau wie große Müllbeutel oder ein paar Kartons, damit ihr alles, was weg soll, direkt zusammen packen könnt.

Ausmisten geht besser mit Köpfchen, System und Geduld.
Das ganze Haus auf einen Rutsch zu entrümpeln ist natürlich ein ehrbares Vorhaben, aber für die meisten von uns wohl nicht wirklich machbar. Zum einen geht irgendwann die Lust flöten. Und zum anderen wird man nach einer gewissen Zeit tatsächlich entscheidungsfaul.
Deshalb geht man das Projekt Ausmisten am besten häppchenweise an. Schrank für Schrank, Kommode für Kommode, Schublade für Schublade.
Wo man dabei anfängt, das muss jeder selber wissen. Kommt man besser zurecht, wenn man erst den Keller entrümpelt und dort dann Platz hat für alles, was woanders im Weg steht? Oder würde man sich so nur den frisch geordneten Keller wieder zuprüllen?
Es gibt in jedem Haushalt Bereiche, die es besonders dringend nötig haben, von überschüssigem Ballast befreit zu werden. Nimmt man diese zuerst in Angriff, dann gibt das oft Schwung, auch den Rest der Bude auszumisten.

Belohnt euch!
Natürlich ist es widersinnig, sich nach einer ordentlichen Entrümpelungsaktion direkt wieder neuen Krempel in’s Haus zu holen. Andererseits ist so ein Ausmisten auch eine schöne Gelegenheit, sich endlich mal etwas zu gönnen, was man wirklich haben möchte.
Wenn man sich zum Beispiel endlich von 17 Paar Schuhen getrennt hat, die alle nicht so ganz das richtige waren, dann könnte man das zum Anlass nehmen, sich endlich die Richtigen zu gönnen. Gleiches gilt natürlich für Dekokram, Bücher, Klamotten, Kosmetik…
Oder ihr seid einfach sehr zufrieden mit dem, was ihr besitzt. Dann macht euch eine schöne Tasse Tee (oder Kaffee, oder was ihr eben gerne trinkt), setzt euch damit vor euren entrümpelten, sauberen, ordentlichen Schrank und bewundert euer Werk!

Ihr seht, Ausmisten ist überhaupt nicht so schlimm. Mann muss einfach irgendwo anfangen und sobald man merkt, wie gut das tut, läuft es fast von selbst. Versprochen!
Kennt ihr noch andere gute Tricks, um sich das Entrümpeln zu erleichtern? Oder braucht ihr noch einen kleinen Schubs, endlich Herr über euren Besitz zu werden?

5 Gedanken zu „Capsule Wardrobe. // Ausmisten für Anfänger.

  1. Kindderachtziger

    Hallo Ellen,

    das Thema passt gerade ganz gut. Habe vor wenige Wochen erst meinen Kleiderschrank + Kommode ausgemistet und auch den Freund dazu bekommen mitzumachen (wobei es bei Männern meist weniger gibt als bei uns Frauen). Vor ein paar Tagen habe ich dann mit dem Medizinschränkchen und Kosmetikprodukten weitergemacht und war anschließend richtig stolz auf mich. Nun würde ich gerne noch die Abstellkammer mit den Lebensmittel etwas aufräumen und bei den Papieren Ablage machen. Dazu werde ich mich bestimmt auch bald aufraffen können.

    Bin gespannt, welche Erfahrungen du mit der Wardrobe Capsule machst. Soweit ist mein Ausmisten nicht gegangen, dennoch hat es geholfen einen Überblick zu bekommen, was da ist und was ich neu brauche.

    Viele Grüße, Silke

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    1. Ellen Beitragsautor

      Hallo Silke,

      dass ich dich mit meinem Post tatsächlich in einer Entrümpelungsphase ‚erwische‘ ist ja klasse! Ist das Gefühl, wenn man hinterher so auf die gelichteten Reihen guckt, nicht herrlich?
      Ich wünsche dir viel Erfolg beim weiteren Ausmisten.

      Alles Liebe,
      Ellen

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  2. Ninutschka

    Liebe Ellen,
    es ist Anfang des Jahres und wie soll es auch sein, ich beschäftige mich grade mit dem Ausmisten meines Kleiderschrankes. Am Wochenende packe ich es an! Dabei bin ich auf deinen Artikel gestoßen und ich finde ihn ganz wunderbar! In ein paar Tagen veröffentliche auch einen Post zu dem Thema und habe dort diesen hier auch verlinkt. Ich hoffe, das ist ok. Hab schon gesehen, dass du mittlerweile einen Schritt weiter bist – so ganz minimalistisch könnte ich wrsl. nicht leben. Mal sehen wie es läuft.

    Liebe Grüße
    Nina 🙂

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