Blogmas. // Das Weihnachtskrokodil.

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Blogmas-Weihnachtskrokodil

Als mein kleiner Bruder tatsächlich noch klein war (und nicht ein ordentliches Stück größer als ich), da war er der festen Überzeugung, unter seinem Bett befände sich ein Krokodil.

An und für sich wäre das ja nicht tragisch, denn ein Krokodil als Haustier, das hat nicht jeder und man könnte ihm regelmäßig die Hausaufgaben zu fressen geben. Die Lehrer würden ganz schön doof gucken, würde man ihnen ein mit Rechenübungen vollgefressenes Reptil vorführen.

Nun war es aber so, dass das Krokodil unter dem Bett offenbar kein besonders freundlicher Artgenosse war und mein Bruder in der ständigen Angst lebte, von seinem schuppigen Mitbewohner gefressen zu werden. Die ständigen Beteuerungen von uns anderen Geschwistern und unseren Eltern konnten ihn nicht davon überzeugen, dass seine Fantasie ihm einen Streich spielte: Da war ein Krokodil unter seinem Bett.

Es kam also durchaus vor, dass mein kleiner Bruder nachts aufwachte, in seinem Bett lag und nach Beistand rief. Aufstehen und zu Mama und Papa ins Bett kriechen ging ja nicht, das Krokodil hätte ihn sicher gebissen, sobald er einen Fuß auf den Boden gesetzt hätte. Es war wirklich zum Mäusemelken.

Irgendwann in der Vorweihnachtszeit stießen wir dann, ich glaube es war in einem bekannten schwedischen Möbelhaus, auf das Weihnachtskrokodil.
Dieses Echsen-Exemplar ist ein überaus freundlicher Zeitgenosse und um jeden Verdacht auf Bissigkeit im Keim zu ersticken trägt es eine festliche rote Schleife um seine lange Schnauze. Keine Frage, dieses Reptil musste mit nach Hause.

Zunächst war mein Bruder skeptisch, Schleife hin oder her, Krokodil ist Krokodil. Doch nach und nach ließ er sich davon überzeugen, dass das Weihnachtskrokodil ihn bestimmt nicht fressen würde. Und dass das Krokodil unter seinem Bett auch eine große, rote Schleife um sein Maul gebunden hat. Damit war es zwar nach wie vor gruselig und gemein, aber beissen konnte es ihn nicht mehr.

Ich weiß gar nicht, ob mein Bruder sich an sein Krokodil überhaupt noch erinnert, immerhin ist er jetzt gar nicht mehr klein und könnte jeden Alligator, der sich unter sein Bett verirrt, sicher mit Leichtigkeit k.o. hauen. Und jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit, wenn ich den Weihnachstschmuck aus dem Keller hole, frage ich mich, ob er das Weihnachtskrokodil vermisst. Denn das habe ich mitgenommen, als ich vor nicht ganz zehn Jahren auszog. Hätte ja sein können, dass in meiner neuen Wohnung ein Krokodil lebt.

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  1. Eine tolle Geschichte 🙂 Und gut gelöst, wie ich finde. Ich hab vor kurzem erst ein Kinderbuch – Großvater und die Wölfe von Per Olov Enquist – gelesen, das sich auch darum dreht, einem fantasievollen Mädchen die Angst zu nehmen, die ihr ein Krokodil einjagte, dass ihr im Traum ganz wirklich in den Po biss. Vielleicht ist das mal ein passendes Geschenk für deinen inzwischen erwachsenen Bruder. Auf jeden Fall klasse für fantasievolle Kinder und Junggebliebene 🙂 Liebe Grüße, auch ans Weihnachtskrokodil, Lisa

  2. Was für eine tolle Geschichte.
    Und dann der letzte Satz…hach! <3
    Zum Glück hat bei mir nie ein Monster gewohnt, oder gar ein Krokodil. Zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte.

  3. Eine wirklich süße Geschichte, wäre interessant, ob dein Bruder sie noch kennt. Aber vermutlich würde er es abtun, dass er damals gar nicht so ängstlich war. Schließlich ist er doch ein unerschütterlicher und starker Mann 😉

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