Besitz belastet.

Besitz belastet

Vor unserem Umzug habe ich tagelang ausgemistet und mich von vielen, vielen Dingen getrennt.
Trotzdem ist unser Keller übervoll mit Kram. Kisten, bei denen jetzt schon keiner mehr sicher weiß, was überhaupt drin ist. Und auch wenn man beim Anblick des obigen Bildes meinen könnte, wir hätten einfach noch keinen einzigen Karton ausgepackt: Das sind wirklich nur die Sachen, die im restlichen Haus keinen Platz gefunden haben.

Wenn du so Kiste um Kiste aus dem zweiten Stock nach unten schleppst wird es dir deutlich wie nie:
Besitz belastet.
Diesen klugen Satz sagt meine Mama gerne. Damit meint sie nicht nur, dass pickepacke volle Kartons schwer sind, sondern dass viel Besitz auch viel Verantwortung mit sich bringt.
Man muss den ganzen Kram in Stand halten, ordnen. Man überlegt sich, was man bei einem Brand wohl retten würde und was man noch anschaffen muss, um aus dem, was man hat, mehr zu machen.

In letzter Zeit denke ich immer mehr darüber nach, was ich wirklich brauche. Allie Lehman traf mit ihrem Post Back to the Basics genau meinen Ich will weniger – Nerv.
Jedes Ding um mich herum prüfe ich nun genau, immer wieder: Brauche ich das? Bedeutet es mir etwas? Wäre ich traurig, wenn es weg wäre? Würde es mir überhaupt auffallen, wenn es weg wäre? Brauche ich so viel von bestimmten Dingen, oder wäre ich mit weniger davon genauso gut dran?

Einiges landet schnell im Müll. Anderes macht es mir schwer, mich zu trennen. Den meisten Kram, der sich mein Eigen nennt, habe ich nicht grundlos. Und ja, auch Frustkäufe und unpassende Geschenke von lieben Menschen sind Gründe. Aber muss man sowas behalten? Ich hadere.

Wo ich mit meinem Streben nach Weniger gut voran komme, ist mein Kleiderschrank.
Moment! könnt ihr meinen Mann jetzt sicher protestieren hören, muss er doch momentan mit ansehen, wie ich in diverse neue Stöffchen investiere. Aber nach vielen, vielen Jahren mit einem ganzen Schrank voll Nichts Anzuziehen – ich habe tatsächlich nur ein Drittel meiner Sachen getragen – will ich jetzt nur noch Lieblingsteile im Schrank haben (der Blog Into Mind beschäftigt sich auf ansprechende Weise eingehend mit dem Thema). Und da muss man erstmal investieren.
Gleichzeitig habe ich vor, während und nun auch nach dem Umzug ausgemistet, als hinge mein Leben davon ab. Ich habe mich von Sachen getrennt, die ich seit Jahren nicht, oder nur sehr ungern, getragen habe, an denen ich aber aus sentimentalen Gründen hing. Oder einfach, weil sie noch so gut wie neu und in der Anschaffung nicht billig waren. Für letztere werde ich im kommenden Jahr meinen alten Kleiderkreisel-Account reaktivieren.

Mit Weihnachten vor der Tür erhält mein Wunsch nach Weniger eine ganz neue Bedeutung. Klar, ich liebe es, schöne Geschenke zu bekommen (Was genau? Das erfahren großzügige Geister hier 😉 ). Was gibt es schöneres, als ein Geschenke-Meer unter’m Weihnachtsbaum an Heiligabend? Viele kleine Päckchen mit liebevoll ausgesuchten Kleinigkeiten – da träumen wir ‚Großen‘ doch fast alle noch genauso sehr von wie als Kinder, oder?
Und trotz langem Wunschzettel und der Hoffnung auf viele hübsche Päckchen unter’m Baum ist es das Projekt Zeit statt Zeug, das mir aus dem Herzen spricht. Als Kinder haben wir gerne Gutscheine für gemeinsame Zeit verschenkt, was hatten wir denn auch anderes zu geben. Und jetzt, wo ich langsam zu den Erwachsenen zähle, würde ich mich selbst über Zeit statt Zeug freuen. Denn Zeit ist mir heute ein sehr kostbares Gut.

Besitz belastet und ich werde auch weiterhin versuchen, ein wenig dieser Last abzuwerfen. Das heisst:

Ich trenne mich von Dingen, die ich nicht brauche oder liebe. Und ich denke gut nach, bevor ich etwas neues anschaffe.

Dass man mit Weniger sehr glücklich sein kann, dessen bin ich mir sicher.
Wer jetzt aber denkt, wir würden bald leben wie die Spartaner, den muss ich enttäuschen. Ein kurzer Blick auf Aunt Peaches‘ weihnachtlich dekoriertes Wohnzimmer ließ all meine Pläne für ein schlichtes Weihnachten dahin schmelzen.
Denn bei allem Streben nach Weniger, so ein bisschen Überschwang muss manchmal einfach drin sein, oder? Zumindest an Weihnachten!

4 thoughts on “Besitz belastet.

  1. Sarah

    Hach, du hast so recht! Wenn ich mich in meinem kleinen, aber feinen WG Zimmer so umgucke entdecke ich mindestens 3 Dinge auf Anhieb, die ich nie benutze. Aber alles gleich wegschmeißen? Ja, warum eigentlich nicht. Ich glaube, ich werde noch heute damit anfangen und danke dir für den „Tritt in den Hintern“!

    Alles Liebe,

    Sarah von https://pleasuresoflifeblog.blogspot.de/

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